Reise nach Hiva Oa und Einwassern

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Flugreise Paris – Los Angeles – Papeete – Hiva Oa

Nach knapp 6 Monaten und einem eher moderaten Winter in der Schweiz war unsere Rückkehr zur Shiva für den 7. April geplant. Wir durften eine wunderbare, stimmungsvolle Verabschiedung in Kloten durch Helen, Jonas und Lars erleben. Wir hatten uns über die letzten Monate an den lebhaften Kleinen gewöhnt und lernten ihn so auch besser kennen. Zudem stand die Geburt des Zweiten in Bälde an, doch wann wird es denn wirklich soweit sein… (am 17.04. kam Nael dann zur Welt).

Die Reise verlief dann entgegen meinen Befürchtungen erstaunlich ereignislos und planmässig. Ich hatte einen Kompressor zum Füllen der Tauchflaschen angeschafft und den in Einzelteilen auf 4 Taschen Aufgabegepäck verteilt. Allein der Elektromotor wog 22kg, der ganze Kompressor 46kg. Hinzu kamen nochmals viele Ersatzteile für’s Schiff inkl. Aussenborder. So reisten wir mit insgesamt 92kg Gepäck. Zum Glück musste Philipp, unser Untermieter und Lars‘ Götti am Osterdienstag auch auf den Flieger (nach Polen), so fuhr er uns in seinem Van nach Kloten.

Zoll (Rückerstattung MwSt) wie auch Einchecken verliefen problemlos. In Paris mussten wir eine etwas lange Wartezeit überbrücken (7h), nachdem unser ursprünglich geplanter Flug vom Nachmittag getsrichen worden war. Der Flug nach Tahiti über Los Angeles war lang. Unfreundlicherweise wurde uns ein recht korpulenter Passagier nach Abflug in die Reihe gesetzt, der eigentlich eher 1.5 Sitze für sich beanspruchte und nur mit wiederholtem Zurückdrängen vom Ausfahren seiner Ellbogen und Knie gehindert werden konnte. Wir landeten sogar etwas vor der Zeit in Papeete und kamen ohne Probleme durch den Zoll (sogar die mitgeführten Steinpilze waren ok, den Kompressor erwähnten wir allerdings nicht).

Wir verbrachten darauf eine Nacht in Papeete im Fare Suisse. Wir schliefen die verpasste Nacht nach, genossen Apero und Nachtessen bei Käsespätzli (!) zusammen mit Tracey und Steve von der Salish Dragon aus Canada. Sie waren am Vortag angekommen und flogen am Folgetag im selben Flieger wie wir nach Hiva Oa. Wir lernten sie letztes Jahr in den Tuamotus kennen und verbrachten danach einige Zeit miteinander, insbesondere mit dem Spielen von Brändi Dog! Ihr Katamaran liegt in derselben Werft wie die Shiva.

Der Flug nach Hiva Oa dauert beachtliche 3.5h und zeigt auf, wie ausgedehnt Französisch Polynesien ist. Mit dem Schiff werden wir über eine Woche für diese Strecke benötigen. Diesmal mussten wir das zusätzliche Gepäck extra bezahlen, es war nämlich nur 15kg p.P. als Aufgabegepäck enthalten. Zudem gab uns der Tauchausweis zusätzliche 5kg p.P., sodass schliesslich 52kg mit etwa 250CHF zu Buche schlugen. Sei’s drum, wir waren sehr erleichtert mit unserem ganzen Plunder heil anzukommen. Ach, fast alles… eines der Gläser mit Green Curry Paste wurde auf dem Flug zerdeppert, das zweite wurde mir dann von der Security aus dem Handgepäck konfisziert. Tahiti ist der einzige Ort in Polynesien, bei dem auch für Inlandflüge ein Security Check erfolgt (nur wusste ich dies dann erst im Nachhinein).

Wir hatten zusammen mit Steve und Tracey einen Mietwagen gebucht. Damit verlief der Transfer vom auf der Hochebene gelegenen Flugplatz hinunter nach Atuona zur Werft bequem und ohne Stress. Ja und dort stand sie also, unsere Shiva… allerdings an einem anderen Ort als wir sie zurückgelassen hatten und mit einer völlig zerschlissenen Abdeckplane. Und das Antifouling war entgegen den Zusagen der Werft auch noch nicht aufgetragen worden. Zumindest machte sich ein Arbeiter mit einer Schleifmaschine am Rumpf zu schaffen.

Vorbereitungen zum Einwassern

Es folgten nun extrem intensive Tage. Wir waren am Donnerstag mittag eingetroffen, anfangs der kommenden Woche wollten wir einwassern. Also blieben uns nur 4 volle Tage alles klar zu bekommen, das noch an Land gemcht werden musste.

Zuerst hiess es die Stromversorgung hinzubekommen. Die Batterien des Motors und der Servicebank waren noch tadellos dank der montierten Solarpanels. Hingegen waren jene des Bugstrahlruders hinüber. Ich musste die trennen, da sie beim Laden zu überhitzten und sich Gas bildete. Vorasussichtlich benötigen wir den Bugstrahler die nächsten Monate eh nicht, also kein Problem. Dann galt es den Wassertank zu füllen um auch den Kühlschrank in Betrieb nehmen zu können (jener kühlt nämlich mit unserem Süsswasser-Kreis). Dank den in USA beschafften Wasserfiltern können wir das Wasser aus dem Landanschluss verwenden, obwohl es offiziell keine Trinkwasserqualität aufweist. Unsere Messung des Outputs ergibt ein sehr gutes Ergebnis (75ppm).

Am nächsten Tag macht sich die Werft dann tatsächlich ans Streichen des Rumpfs. Ich habe zwei wichtige Projekte auf meiner Liste: die beiden festen, ovalen Luken backbord im Salon müssen ersetzt werden, da sie nicht mehr dicht sind und an der Maschine muss ein neuer Füllkragen beim Wärmetauscher eingebaut werden, da der alte gebrochen ist. Dank Steve’s Hilfe und seiner Fräse kann ich die mitgebrachten Plexiglasplatten auf die Form der alten Luken zufräsen. Anschliessend werden diese mit schwarzem Sikaflex eingeklebt und mit 20 Schruaben fixiert (von denen auch diverse ersetzt werden mussten). Im 2. Anlauf gelingt die Montage, jedoch erst unterwegs wird sich weisen, ob die Sache auch dicht sein wird. Ebenso gelingt der Austausch des Füllkragens am Wärmetauscher überraschend gut. Hätte ich mich früher um dieses Problem gekümmert, wäre mir im letzten Jahr einiges an Sorgen erspart geblieben… Aber auch hier, ob es nun wirklich hält und dicht ist werden wir erst sehen, wenn die Maschine dann nach dem Einwassern erstmals gestartet wird.

Der Rest der Arbeiten sind die mittlerweile routinemässigen Dinge, wie zB. das Einsetzen der Impeller beim Generator und der Maschine, Kontrolle Oelstand und Kühlmittel, Montieren der Windinstrumente auf der Mastspitze und der Gasanschluss. Eine grössere Überholung erfuhr zudem der Aussenborder, der ein neues Choke-Kabel bekam, sowie eine neue Halterung im Schaft (da die alte letztes Jahr infolge Überhitzung wegschmolz, als dort der Impeller kaputt ging). Die Segel durfte ich im Lokal des Segelmachers lagern, der kleine Reparaturen an der Genua ausgeführt hatte. Wir hievten die an Bord und schlugen dann an einem ruhigen Morgen die beiden Vorsegel an. Dann bauten wir den in seine Einzelteile zerlegten Kompressor wieder zusammen und stauten den vorerst einmal im Salon. Ich installierte den speziell konfigurierten Stromanschluss dazu beim Generator (Sicherungsautomat, Anlaufstrombegrenzer und Steckdose). Zudem galt es einen Anfangsbestand an Proviant zu besorgen, wofür uns der Mietwagen sehr gelegen kam. Wir fanden im Dorf in den drei unterschiedlichen Geschäften eine ansprechende Auswahl, insbesondere bestes, frisches Tuna-Filet zu gerade einmal 8 CHF p.kg. Vieles ist hier halt schon relativ teuer, doch im Vergleich zur Schweiz wird’s dann fa st schon wieder akzeptabel. In unserem Vorrat an Teigwaren, insbesondere den Barilla Spaghettis, hat sich eine Population von kleinen Käfern eingenistet und sattgefressen. Wir müssen jene Packungen schliesslich allesamt entsorgen. Zum Glück scheint dies das einzige Problem mit Ungeziefer zu sein, also keine Ameisen, keine Cockroaches, keine Ratten!

Mit Steve und Tracey tauschten wir uns am Abend bei einem Bier über die erledigten und noch offenen Arbeiten aus. Dank Auto gingen wir auch gelegentlich ins Dorf zum Abendessen, wo wir endlich ein Lokal (Relais Moehau) besuchen konnten, das ich letztes Jahr schon ins Auge gefasst hatte. Es stellte sich als sehr lohnenswert heraus und bot feines Poulet Citron und Steak Frites. Danach widmeten wir uns jeweils einer intensiven Runde Brändi Dog, die verteilt über all die Abende schliesslich recht ausgeglichen ausging, wobei meist sehr enge Ergebnisse resultierten. Wir lachten viel und es tat so gut, den Tag hinter sich lassen zu können.

Am Montag regnete es fast ununterbrochen, somit war an ein Fertigstellen des Antifouling-Anstrichs nicht zu denken. Gut hatte die Werft dies am Freitag weitgehend erledigt. Als es am Nachmittag etwas aufklart kommt Timo mit dem Anhänger und bockt die Shiva auf. So kann nun auch an jenen Stellen gestrichen werden, an denen die Stützen auflagen. Allerdings zeigt die Truppe wenig Lust dazu, ich muss sie fast schoin antreiben und schleife diese Stellen schliesslich selber. So ist am Dienstag die Shiva dann zum Einwassern bereit.

Bei Hochwasser kurz nach Mittag ist es also soweit. Erst muss allerdings die ganze Rechnung bezahlt sein, sonst geht gar nichts… Zu meiner Erleichterung klappt der Transport vom Stellplatz bis zur Rampe ins Meer gut, auch wenn die Auflagen m.E. zu weit vorne sind und zudem das Deck nicht horizontal steht. Durch die schiefe Lage tritt Diesel aus den Überläufen der Tanks aus. Sicher 20lt, die wir kurz zuvor noch nachgefüllt hatten, strömen auf den Boden. Aber zumindest kippte der Rumpf mit dem hinten liegenden Motor nicht vom Hänger und wir kommen heil ins Wasser. Die Maschine startet auf Anhieb, wir verlegen hinaus in die Bucht ganz nach hinten und ankern in 2m Wassertiefe gut und fest. Voller Erfolg: Sowohl Maschine als auch Ankerwinde sind in Betrieb! Am nächsten Morgen schlagen wir gleich noch das Grosssegel an, was auch gut und speditiv gelingt.

Damit wären wir bereit für die Ankunft von Thomas und Katrin, die eigentlich am Donnerstag hätten landen sollen. Doch … sie hatten den Flieger in Paris verpasst (resp. wurden wegen 5′ nicht mehr zum Checkin zugelassen). So mussten sie mit dem nächsten Flug 2 Tage später fliegen, der dann in Papeete auch keinen Anschluss mehr hatte. Neu treffen sie also erst am Sonntag ein. Also verlegen wir kurzentschlossen am selben Nachmittag hinüber zur Insel Tahuata, einem unserer Lieblingsplätze hier in den Marquesas. Dank Mietwagen können wir zuerst nochmals etwas zusätzlichen Proviant besorgen.

Tahuata – Hanamoeana

In der Bucht Hanamoeana ankern wir neben der SY Balloon mit Jim und Ana aus den USA, die wir auch im Jahr zuvor in den Tuamotus kennenlernten. Ihr Sohn lebt in Interlaken und absolviert die Bergführer-Ausbildung und hatte so auch schon Kontakt mit Jonas. Die Welt ist manchmal schon sehr klein!

Kurz nach Losfahrt zeigt sich doch noch ein Problem mit der Maschine, denn die Temperatur steigt zu hoch und das Kühlmittel kocht über… Zumindest scheint also sowohl der Temperatursensor als auch der zugehörige Alarm zu funktionieren. Aber woran kann das liegen? Der Verdacht fällt auf das Thermostatventil, das wohl zu spät (sollte bei ca 70°) oder gar nicht öffnet. Dieser bestätigt sich, nach Austausch des Ventils bleibt die Temperatur der Maschine nun im normalen Bereich. Gut.

An einem Morgen sehen wir die typischen Flossenspitzen von Mantas aus dem Wasser ragen. Sogleich kommt Bewegung bei den zahlreichen Yachten in der Bucht auf und alle strömen mit Brille und Flossen auf die Mantas zu. Mir gelingen auch ein paar Aufnahmen, allerdings sind die leider nach kurzer Zeit wieder weg. War wohl etwas zu viel Aufmerksamkeit. Wir geniessen die paar Tage Ruhe in der Bucht und erholen uns etwas von den anstrengenden Vorbereitungsarbeiten. Auch sind die Temperaturen nun etwas angenehmer als an Land in der Werft. Insbesondere fühlen wir uns nun für unseren Besuch gut gerüstet und freuen uns auf deren bevorstehende Ankunft.

This Post Has 3 Comments

  1. koebi007

    Ahoy Shiva’s
    schön seid ihr wieder zurück auf dem Wasser. Toll, dass euch nichts Unschönes erwartet hat in Hiva Oa (zum Beispiel Mäuse!, die es dort tatsächlich gibt).
    Die technischen Teile in euren Berichten lese ich (Köbi) immer sehr genau, Mann will ja lernen. Pia interessiert sich mehr fürs Kulinarische und die Erlebnisse in der Natur. Etwas scheinen wir Beide aber überlesen zu haben: warum die Blasen an den Händen?? Vom Brändi-Dog Spielen kann es nicht sein, sonst hätten wir auch schon lange Blasen oder Hornhaut an unseren Händen 😉
    Herzliche Grüsse von der SY Lupina aus Lombok/Indonesien, Pia und Köbi

    1. admin

      Liebe Lupinchen
      nein, die Brändi Dog Handgriffe sind eingespielt, da gibts keine Blasen.

      Doch in 4 Tagen das Schiff klar zum Einwassern hinzubekommen ist zumindest für mich neue Bestzeit.
      Gute Zeit in Indonesien, übernächstes Jahr sind wir hoffentlich auch dort
      Glg, fair winds!
      B & Hp

      1. koebi007

        Lasst euch Zeit – da ist noch seeehr viel Schönes dazwischen!!

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