Auf dem Weg von Tikehau nach Tahiti liegt Makatea. Geografisch gehört diese Insel zu den Tuamotus, ragt aber im Gegensatz zu den Atollen gut 100m aus dem Ozean empor. Schroffe Felswände aus Kalk umgeben die Insel, was ist denn da passiert? Als der Vulkan Tahiti Nui ausbrach, drückte der die Platte nach unten und hob so auf der anderen Seite Makatea in die Höhe. So tauchte das Atoll aus dem Meer auf und bildete eine Insel mit einer Senke im Inneren. Die Insel wurde zu einem Vogelparadies, mit Tausenden von Vögeln die dort brüteten, lebten und auch viel schissen. Dieser Vogeldung, auch als Guano bekannt, ist sehr nährstoffreich und wird als Dünger in der Landwirtschaft verwendet. So wurde dann ab 1900 bis 1966 in ganz grossem Stil auf dieser Insel Phosphat abgebaut. Über 3000 Menschen lebten und arbeiteten zu der Zeit auf Makatea, sie war nach Tahiti die grösste Siedlung. Der Abbau erfolgte von Hand mit Schaufeln und Pickeln zwischen den Karstfeldern im Innern der Inseln. Mit Eimern wurde das abgebaute Mineral emporgehievt, in Schubkarren zur Grubenbahn gefahren und dann mit dieser bis zur Felskante auf der Westseite gefahren. Die Wagen wurden dann mit einer Standseilbahn an den Strand hinab befördert und dann über eine Verladerampe direkt auf Frachtschiffe befördert. Hunderttausende von Tonnen Phosphat wurden abgebaut und zu einem hohen Anteil im pazifischen Raum verschifft. Japan war zum Ende der Hauptabnehmer. Mit dem Aufkommen von Kunstdünger wurde dieses natürliche Phosphat ersetzt und damit der Abbau auch in Makatea eingestellt. Hinzu kam, dass die Französische Armee viel Personal für ihr Atomprogramm auf Mururoa benötigte, das hier dann rekrutiert wurde. Auch zogen viele Minenarbeiter weter nach Neu-Kaledonien, wo sie im Zink-Bergbau ein neues Auskommen fanden.
Makatea blieb als verlassene Einöde zurück, auf der heute noch etwa 100 Einwohner leben. Die vom Bergbau hinterlassene Mondlandschaft von tief zerfurchten, geleerten Karstfeldern überwuchs mit dichtem Busch. So ist das Innere der Insel heute wieder satt grün, doch praktisch undruchdringlich, denn überall hat es tiefe Löcher. Ich hörte von Makatea über einen Roman, den ich bei der Pazifik-Passage gelesen hatte und war fasziniert. So nahmen wir uns vor, wenn es Wetter und Verhältnisse zulassen, diese spezielle Insel unbedingt zu besuchen.
Passage nach Makatea (50NM, davon 47 gesegelt)








Die Passage von Tikehau beträgt 50 NM, somit legen wir morgens um 07h von der Mooring beim Passe Tuheiava ab. Bei 5kn auslaufendem Gezeitenstrom flitzen wir mit bis zu 10kn Fahrt aus dem Atoll hinaus ins offene Meer. Wir bekommen einen Tag mit herrlichen Verhältnissen: flache See und rund 10kn Wind, so dass wir mit maximaler Segelfläche (also Gross, Genua und Fock) hart am Wind jeweils 5-6kn Fahrt erreichen. Damit schaffen wir es gerade knapp vor Sonnenuntergang vor Makatea, wobei wir die letzte Stunde noch die Maschine zur Unterstützung heranziehen. Wir haben uns mit Tapu für den Folgetag zu einer Inselführung verabredet und haben grundsätzlich eine Mooring zugesagt bekommen. Ankern geht dort nicht, gleich bei der Riffkante sinkt der Grund auf ca. 50m ab. Doch da sehen wir schon von Weitem, dass bereits zwei Yachten vor der Insel liegen… was jetzt? Aufgeregt erkundigen wir uns bei Tapu, wie wir vorgehen sollen … da legt eine der beiden Yachten ab, sodass wir doch eine der beiden verfügbaren Moorings aufnehmen können. Juhui!
Inselführung mit Julien, Monsieur le Maire und Vater von Tapu











Die Führung über die Insel wird zu einem echten Highlight! Wir werden am Quai von Julien empfangen, dem Vater von Tapu und dem Bürgermeister der Insel. Er ist auf Makatea geboren und hat mit seinen Eltern noch den Phosphatabbau miterlebt. So erfahren wir viele Geschichten aus erster Hand. Er hat fünf Kinder, vier Söhne und eine Tochter, wovon vier auch auf der Insel leben. Der Fünfte, jüngste Sohn absolviert gerade die Gendarmerie-Ausbildung in Frankreich. Stolz zeigt er uns Bilder des jungen Mannes (24Jr) in Uniform.
















Wir fahren erst die steile Rampe zum Dorf hinauf, dann über die Insel und auf der E-Seite wieder steil hinab zum Strand. Dort können wir die dramatischen, teils überhänmgenden Felswände aus Kalk bewundern, kommen am von seiner Tochter geführten Campingplatz vorbei und sehen ausgedehnte Copra-Farmen. So erfahren wir, dass Copra für die Einheimischen recht einträglich ist. So erhalten sie pro Tonne etwa 1300CHF, was dem Mindestlohn hier entspricht. Doch eine Tonne kann ein fleissiger Farmer bereits innert einer Woche ernten und trocknen. Daneben leben mittlerweile viele vom Tourismus. Tapu hat an den Felswänden diverse Kletterrouten und auch einen Klettersteig eingerichtet. So bietet er mit Makatea Vertical Experience ein für die Tuamotus einizgartiges Erlebnis an.
Sehr eindrücklich ist schliesslich eine grosse Tropfsteinhöhle im Karst. Durch einen Spalt führt eine Treppe hinab ins Dunkel und bringt uns an einen Süsswasser-See. Das Bad im See ist sehr erfrischend und der Anblick der von Stalaktiten überzogenen Decke ist magisch. Wir baden dort ausgiebig und versuchen die Stimmung mit Bildern einzufangen. Schwierig.













Im Innern der Inseln sehen wir einge Stellen des früheren Phosphat-Abbau. Rostige Gerätschaften und Maschinen stehen herum, bei einer erkennen wir ein Typenschild von BBC und auch von Sulzer soll das eine oder andere stammen. Die frühere mechanische Werkstatt liegt in der Sonne und alles rostet vor sich hin. Elektrizität wurde für die damalige Zeit hochmodern mittels 4 Schiffs-Dieselmotoren und über Riemen angetriebene Generatoren erzeugt. Hier auf der Insel hatten sie Elektrztät noch vor Tahiti, sogar zwei Kinos! Die Hafenanlagen sind heute nur noch als Ruinen zu erahnen, für die damalige Zeit waren sie die besten weit und breit und erlaubten das Verladen direkt auf die im tiefen Wasser geankerten Frachtschiffe. Zu Beginn musste das Phosphat noch in grossen Körben mit Flossen zum Schff gebracht werden, dann bauten die Japaner einen grossen Verladeterminal mit Schwenkarm und Förderband. Leider bedeutete der Phosphatabbau auch das Ende des Vogelparadies auf Makatea. Mit den vielen Menschen und Schiffen kamen Ratten auf die Insel, was den Vögeln die Möglichkeit zur Brut nahm. Wir sahen und hörten kaum Vögel, schade…










Am Nachmttag besuchen wir noch die Felsen auf der Westseite. Offenbar gab es eine längere Phase, bei der die Insel noch nicht so hoch lag, sodass eine Schicht im Kalkfels vom Meer so erodiert worden ist, dass eine in der höhe verlaufende Galerie mit Stützen und Höhlen zurückblieb. Später wurde dies dann nochmals um 5-10m auf die heutige Höhe angehoben.










Das Wasser um die Insel ist sehr klar. So versuchen wir auch, am Riff zu schnorcheln, Die Sicht ist wirklich hervorragend, doch nach all dem Bisherigen, das wir schon zu sehen bekamen, konnte uns dies nicht gross beeindrucken. Es hat zwar ok Fische und Korallen, kann aber bei Weitem nicht mit dem Passe in Tikehau mithalten.
Passage nach Tahiti (122NM, davon 121 gesegelt)
Kurz vor Sonnenuntergang gegen 17h legen wir ab, setzen die Segel und nehmen Kurs auf Tahiti. Der Wind steht günstig von der Seite mit 10-15kn, das Meer ist sehr ruhig und so kommen wir auch recht flott mit 6-7kn voran. Als es nach Sonnenuntergang etwas auffrischt, reffen wir sogar noch, um nicht zu schnell zu werden und weiter ruhig schlafen zu können. Doch schon im Verlauf der Nacht reffen wir wieder aus, da der Wind wieder nachlässt. Durch die Nacht bekommen wir vom vollen Erdbeermond eine fast taghelle Beleuchtung.
Bei Sonnenaufgang begrüsst uns ein strahlend blauer Himmel. Wir ersetzen die Genua durch den Genaker, um aus dem bischen verbleibenden Wind von 6-10kn von hinten maximale Fahrt herauszubekommen. So schaffen wir immer noch die meiste Zeit mehr als 5kn und nähern uns gegen Mittag unserem Ziel Tahiti. Schon von Weitem zeichnet sich die Bergkulisse am Horizont ab. Um 13h fahren wir durch das umgebende Riff in die Bucht hinter der Pointe Venus ein.














Wir ankern gleich vor der SY Salish Dragon unserer Kanadischen Freunde Tracey und Steve, die den Winter auch auf den Marquesas in derselben Werft lag. Allerdings sind sie gegenwärtg für die Hochzeit ihres Sohnes zu Hause, Freunde von ihnen bewegten in dieser Zeit ihre Yacht durch die Sociétés. Auch treffen wir hier die SY Matebele wieder mit einem Paar aus UK & FR. Ich kaufe bei ihm günstig ein Bb-Positionslicht ab, das bei uns ersetzt werden muss und er nicht verwenden kann. Er hängt hier noch mindestens eine weitere Woche herum, da er auf eine neue Lichtmaschne warten muss. So erfahre ich von ihm von den zahlreichen Abenteuern, die sie auf ihrer Pazifik-Passage erlebt hatten. So brachen ihnen mitten im Pazifik mehrere Wanten, worauf sie den Mast mit einem behelfsmässigen Rigg aus Leinen abspannen mussten. Er musste dazu über 10x auf den Mast hinauf, um dort Leinen anzubringen. Der Mast schwankte trotzdem immer noch heftig und drohte bei jedem Durchzug einer Welle zu brechen. Segeln konnten sie damit nicht mehr und mussten schliesslich unter Maschine 1300NM zurücklegen, wozu sie mehr als 12 Tage brauchten. Doch dazu hatten sie zu wenig Diesel an Bord. Ein holländischer Tanker kam ihnen zu Hilfe und nahm einen 400NM Umweg in Kauf. Auf offener See übergab er ihnen 15 Kanister Diesel, die er an einer Leine zusammengebunden ins Meer liess. Allerdings kochten ihnen auf dem weiteren Weg die AGM-Batterien über und drohten zu explodieren, wohl wegen der damals schon defekten Lichtmaschine. Das Gehäuse der Batterien war richtiggehend aufgequollen. Ihr Boot ist eine werftneue Moody aus 2023…
Solche Geschichten führen uns einmal mehr vor Augen, wie gut wir es mit der Shiva getroffen haben! Wir schätzen uns einmal mehr ausgesprochen glücklich, sind bei uns an Bord alle wichtigen Systeme gut im Schuss.