Huahine ist die östlichste der sogenannten «Isles sous le vent» der Sociétés. Jene 5-6 Inseln liegen nahe beieinander im Westen von Französisch Polynesien, jedoch über 80NM von Moorea entfernt. Dies wird damit unsere letzte Inselgruppe hier, bevor es dann nach über einem Jahr weiter nach Westen zum nächsten Archipel gehen wird. Doch vorerst locken diese Inseln mit klingenden Namen und touristischen Leckerbissen!
Passage Moorea nach Huahine (100NM, 89S, 11M)
Um bei Tageslicht anzukommen, gehen wir am Abend kurz vor Sunset in Moorea Anker auf. Die Salish Dragon will auch in dieser Nacht hinübersetzen. Sobald wir aus dem Passe bei der Cooks Bay und der Abdeckung der gebirgigen Insel heraus sind, setzt für uns günstiger Wind mit rund 20kn ein. Wir setzen das Gross im ersten Reff und die Genua und machen so gute Fahrt, meist über 6kn. Der Wind bleibt uns auch durch die Nacht erhalten und geht nur leicht auf rund 15kn zurück. Auf dem AIS sehen wir neben der Salish Dragon niochmals zwei weitere Yachten mit selbem Kurs, eine neue Erfahrung. Meist sahen wir kaum je eine andere Yacht auf unseren bisherigen Passagen im Pazifik. So müssen wir durch die Nacht etwas wachsamer bleiben, um keiner anderen Yacht zu nahe zu kommen.










Schon bei Sunrise erreichen wir die SW-Seite von Huahine. Nun müssen wir noch bis zum Passe nach Norden, sodass wir hinter das Riff in die Lagune einfahren können. Dieser ist ruhig und breit, wie üblich für die Sociétés. Im Innern der Lagune fahren wir unter Maschine entlang einer markierten Seestrasse zurück an die SW-Spitze in die Baie d’Avea. Auf dem Weg kreuzen wir erneut die SY Kokomo, die über 50m lange Segelyacht, der wir bereits in Moorea begegnet sind. Die Crew winkt uns freundlich zu, wir fühlen uns geehrt (denn üblicherweise schenken diese kleinen Yachten keinerlei Beachtung). Die Bucht ist gut besucht, die eigentlich reservierte Mooring ist nicht vorhanden oder von jemand anderem besetzt, aber was solls. Es hat Platz im Überfluss, wir legen uns an den Rand des türkisblauen Sandschelfs mit dem Anker in 4m Wassertiefe und liegen gut und ruhig. Bald danach trifft auch die Salish Dragon ein und ankert gleich neben uns. Tipp, topp!
Velotouren auf Huahine Iti
Der nächste Morgen begrüsst uns mit hellem Sonnenschein und weckt unsere Unternehmungslust. Wir packen die beiden Brompton Faltvelos ins Dinghy und setzen zum Dock des Hotels Le Mahana über. Entlang der einspurigen Küstenstrasse lässt es sich gemütlich um die Insel fahren und die Landschaft mit der üppig grünen Vegetation bewundern. Huahine ist auch für die Vanilleproduktion berühmt, wir kommen an diversen Plantagen vorbei. Sogar einige Kühe grasen am Strassenrand, ein Bild das wir seit den Marquesas nicht mehr gesehen haben. Ein sanfter Aufstieg führt uns zu einem Pass hinauf, der einen Ausblick auf die nördliche Inselhälfte eröffnet. Denn eigentlich ist Huahine in zwei Inseln geteilt: wir sind bloss auf Huahine Iti. Eine Brücke verbindet die beiden Inseln, unser Tagesziel dieser Velotour. Das Wasser fliesst wie ein breiter, ruhiger Strom unter der Brücke durch, angetrieben durch Gezeiten und das vom Wind aus S in die Lagune gedrückte Wasser.















Am Abend feiern wir Brigitt’s Geburtstag mit einem stimmungsvollen, wunderbaren Abend im Le Mahana an Land in Gesellschaft von Tracey und Steve. Das Essen ist hervorragend und an Bord der Salish Dragon überrascht Tracey mit Cupcakes als Geburtstagskuchen. Danach zelebrieren wir einmal mehr eine Party Dog bei angeregter Unterhaltung.






Da das Wetter weiter sonnig bleibt, nehmen wir auch gleich noch eine Wanderung auf den Mont Puahueri am Folgetag in Angriff. Mit den Velos fahren wir der Ostküste entlang bis zum 9km entfernten Ausgangspunkt. Wir suchen einige Zeit den Trailhead, doch ein Mietauto wurde derart unsinnig davor parkiert, dass er nicht mehr zu erkennen war… so marschieren wir halt nach Rückfrage durch den Garten des benachbarten Hauses. Der Weg führt uns durch lichten Kiefernwald auf einer früher einmal zur Fahrstrasse ausgebauten, nun aber überwachsenen Trasse sanft den Hügel hinauf. Einzig das letzte kurze Stück ist schmal und steil, doch zuoberst auf 460m bietet sich ein wunderbares Panorama. Die von mehreren tiefen Buchten zerfurchte Insel und dem bergigen Inneren bietet eine interessante Szenerie. Nach 2.5h sind wir wieder zurück und pedalen die 9km zur Bucht gegen den strammen Wind aus Süden an. Bei der Strandbar Celina’s gönnen wir uns ein feines Mittagessen und insbesondere jene dort berühmte Crème brûlée.













Wir gehen es hier relativ ruhig an und führen ein paar kleinere Unterhaltsarbeiten an der Shiva aus. Einer der alten Ventilatoren im Salon wird ersetzt, ebenso ein abgebrochenes Stellrad der Heizungssteuerung. Dies nimmt jeweils relativ mehr Zeit in Anspruch, denn dazu müssen die entsprechenden Ersatzteile irgendwo aus den Tiefen unseres extensiven Materiallagers in den Bänken hervorgekramt werden. Auch sind diverse Projekte zu Hause unterwegs und erfordern etwas Aufmerksamkeit. Mit der Zeitverschiebung von 12h ist es etwas schwierig, sich direkt am Telefon auszutauschen, doch umso mehr freut uns dieser gelegentliche Kontakt mit den Liebsten. Wir nutzen den neu gekauften Air Fryer und sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis!


















Tracey und Steve möchten mit dem Mietwagen die ganze Insel erkunden, so schliessen wir uns an. Neben einigen archäologisch interessanten Plätzen der frühen Polynesier (aka Marae) und schönen Aussichten über die Insel lockt uns der Mont Tapu auf der Hauptinsel. Eine kurze, aber steile Wanderung führt uns auf den 420m hohen Gipfel mit schöner Aussicht über die Lagune und Küste der Ostseite. Ein leckeres Mittagessen in einem sehr amerikanisch angehauchten Snack Izzys versüsst den Tag. In einem privaten Muschelmuseum erfahren wir, dass es tatsächlich bestimmte Muschelarten gibt, deren Stachel für Menschen tödlich sein kann (und verdrängen es dann gleich wieder. Wir fassen eh keine Lebewesen im Meer an und schauen zuerst gut, ob eine Schale noch bewohnt ist, bevor wir sie am Strand aufheben). Im Hauptort Fare gibt es einen gut bestückten Super-U, sodass wir noch etwas weniges einkaufen können, das dank Auto danach nicht weit getragen werden muss.
Schnorcheln in der Lagune
Mit dem Dinghy fahren wir an einem Morgen hinaus auf das breite, flache Schelf. Die Wellen brechen weit draussen gewaltig gegen das Riff, es hat ja auch immer noch ordentlich viel Wind, der eine hohe See aus Süden auftürmt. Vom Ankerplatz ist es fast eine Meile bis zum äusseren Riff. Wir besuchen jedoch nur weiter innen eine flache Durchfahrt, die um die Südspitze der Insel führt. Es herrscht etwas Strömung, also lassen wir uns treiben und ziehen das Dinghy nach. Hier finden wir einen hübschen Garten mit vielen Korallenstöcken. Allerdings sehen die Korallen nicht besonders gut aus und sind oft von Algen überwachsen oder abgestorben. Dafür sehen wir für einmal Seeanemonen in grosser Zahl. Mit etwas Suchen finden wir auch in diversen einen putzigen, bunten Clownfish. Die Anemonen dienen diesem aus dem Film «Finding Nemo» bekannt gewordenen Art als Lebensraum. Aber lange nicht in jeder Anemone steckt einer, es braucht schon einiges an aktiver Suche. Und dann sind sie sehr nervös und ganz hibbelig, wenn man sie mit der Kamera einfangen will…












Mit stärker werdendem Wind wird es uns in der Baie d’Avea langsam ungemütlich, die Shiva rolllt unangenehm. So verlegen wir etwas weiter nach Norden an eine besser geschützte Stelle, die auch gutes Schnorcheln verspricht. Eine von vielen Ausflugsbooten besuchte Stelle bietet dann recht gute Unterhaltung. Es hat zahlreiche Fische, auch etwas grössere (wohl weil die Ausflugsboote diese mit Futter anlocken…), aber insbesondere finden wir wieder einmal seit langem einige Flecken mit gesunden Staghorn Corals. Die sehen aus wie ein Hirschgeweih und sind leuchtend hellgrün.
Nach einer knappen Woche befinden wir, dass wie nun wohl die Highlights von Huahine gesehen haben. Insbesondere lässt die Windprognose erwarten, dass nur noch zwei Tage lang mit ausreichendem Wind zum Segeln gerechnet werden kann und danach 5 Tage lang eher Flaute herrschen wird. Also wird es für uns Zeit weiterzuziehen.