Tikehau – Eine Perle zum Abschluss!

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Boah, von Aratika bis nach Tikehau ist es schon ordentlich weit, mehr als 170NM. Es braucht also eine Nachtfahrt und etwas mehr. Aber vom letzten Jahr wissen wir, dass Tikehau schon sehr viel Schönes zu bieten hat. Und hoffentlich erwischen wir dieses Mal etwas besseres Wetter…

Passage Aratika nach Tikahau (187NM, davon 159 gesegelt)

In Anbetracht der Entfernung legen wir am Morgen um 08h los und können sogleich durch die Lagune von Aratika hindurch segeln. Bei ordentlich, achterlichem Wind reicht die Genua allein um mit 5kn Fahrt voranzukommen. Die Ausfahrt aus dem Passe ist problemlos, denn der Gezeitenstrom läuft gemächlich aus und das Fahrwasser ist ruhig. Zur Sicherheit machen wir dies unter Maschine, denn der Platz zwischen den seitlichen Riffen ist eng. Draussen winken uns Fischer aus ihren beiden Booten freundlich zu. Nun setzen wir die Genua wieder und dann in deren Windschatten auch das Grosssegel. Bei rund 15kn Wind nehmen wir sogleich recht flotte Fahrt auf und erreichen meist über 7kn.

Wir müssen nun diverse Atolle nördlich umfahren und sind dadurch der offenen See ausgesetzt. Die macht sich mit richtig grossen Wellen von der Seite recht ungemütlich bemerkbar.Wolken überziehen den Himmel und es beginnt es auch zu nieseln. Einige Stunden fällt der Wind fast vollständig weg, bei hochgehender See nochmals unangenehmer. Also überbrücken wir unter Maschine während 2.5h. Kurz nach Sonnenuntergang und einem stärkenden Znacht (Spaghetti Bolo!) setzt der Wind wieder ein, doch um Kurs zu halten müssen wir fast platt vor dem Wind laufen. Also baumen wir im Dunkeln die Genua aus, was trotz langem Unterbruch und Seegang recht gut und zügig gelingt. Das Hantieren mit der 5m langen Stange auf dem schaukelnden Vorschiff ist schon eine rechte Herausforderung, die viel Sorgfalt verlangt. Doch damit laufen wir etwas ruhiger, denn die Segel schlagen dann etwas weniger beim Durchzug einer Welle gegen das Rigg.

Die Nacht bleibt sehr unruhig. Immer mal wieder zieht ein Regenschauer durch, begleitet von Squalls, die zum Glück jedoch nie über 25kn stark werden. Dann beschleunigt die Shiva jeweils auf über 8kn Fahrt, hält aber den Kurs gut (Danke, lieber Autopilot!). Diverse Male shiften wir den Baum von einer auf die andere Seite, um die veränderte Windrichtung zu berücksichtigen. Zu Schlaf kommen wir nur wenig. Doch wir können Kurs und Geschwindigkeit recht gut halten. Bei Sonnenaufgang lassen wir bereits den NW-Passe Avatoru von Rangiroa hinter uns. Einige Stunden später runden wir die Nordspitze von Tikehau und steuern auf dessen Passe Tuheiava zu. Wie erhofft können wir diesen noch vor 11h durchfahren, die zahlreich anwesenden Tauchboote bestätigen unser Timing. In detr Lagune angekommen steuern wir zurück nach NE zum Motu Puarua, der Bird Island. Diese letzten 10NM werden nochmals recht mühsam, bläst uns der Wind doch direkt auf die Nase mit rund 20kn und baut so auch eine ordentliche Welle in der Lagune auf. So erreicht die Maschine nur noch gut 4kn, wir benötigen für diesen letzten Abschnitt fast 2.5h in stampfender Fahrt. Hinter dem Motu können wir den Anker im Sand fallen lassen und liegen nun ruhig und gut. Geschafft!

Motu Puarua – Bird Island

Nach einer erholsamen Nacht begrüsst uns ein sonniger Tag. Es gibt wieder Mal etwas am Wassermacher zu reparieren, der Anschluss beim Manometer tropft. Dies lässt sich relativ schnell und einfach beheben… dann machen wir uns mit dem Dinghy rudernd auf an Land. Die kleine Insel wird von Tausenden von Seevögeln bevölkert. Diese brüten auf den Bäumen und Sträuchern direkt auf unserer Augenhöhe. Sie scheinen es gewohnt zu sein, dass immer wieder Besucher vorbeikommen und ihnen neugierig ins Nest hineingucken. Doch bleiben sie skeptisch, vorsichtig und verteidigen ihr Gelege mit lautem Krächzen und Schnattern. Viele Vögel haben Jungtiere, die noch nicht flügge sind, einige wenige scheinen noch Eier auszubrüten.

Wir geniessen den ausgiebigen Rundgang in vollen Zügen. Wir sind allein auf der Insel unterwegs, offenbar sind heute keine Tourboote angesagt. So können wir uns in aller Ruhe umsehen und kommen den Vögeln oftmals richtig nahe. Ein wunderbarer Ort, der wohl nur Bestand hat, weil das Motu frei von Ratten ist. Die weissen Seeschwalben (White Terns) brüten ohne Nest direkt auf einer Astgabel. Für Ratten wären die Vogeleier ein einfach zu holender Leckerbissen. Wir sehen auch die putzig wirkenden Tölpel (aka Boobies), deren Junge ein flauschig weisses Gefieder aufweisen. Zudem hat es sehr viele schwarze Seeschwalben (Black Terns) mit einem kennzeichnenden weissen Fleck am Kopf. Dieser Besuch allein war uns die lange Fahrt wert.

Motu Mauu – Manta Cleaning Station

Unser nächster Halt ist hinter einem kleinen Motu, auf dem eine verlassene Perlfarm liegt. Die kurze Strecke durch das Atoll können wir unter Segel zurücklegen. Für einmal zeigt die Seekarte recht zuverlässig die Bommies an, sodass wir die gut umfahren können. Der Wind bläst weiterhin recht kräftig, wir lassen unseren Aussenborder weiterhin an Bord.

Am anderen Morgen gehen wir direkt vom Schiff aus schnorcheln auf die andere Seite des Motus. Einige Ausflugsboote sind auch schon da… also könnte es sich ja lohnen. Leider ist das Wasser vom kräftigen Wind recht milchig, die Sichtweite beträgt wohl knapp 10m. Doch schon nach kurzer Zeit werden wir belohnt. Ein richtig grosser Manta Ray taucht aus dem Nebel auf und gleitet mit eleganten, sanften Flügelschlägen gemächlich durchs Wasser. Immer wieder zieht er eine Runde im nicht sehr tiefen Wasser, sodass wir ihn diverse Male direkt auf uns zukommen sehen. Offenbar stört ihn unsere Anwesenheit kaum, wir kommen ihm diverse Male richtig nahe. So können wir dieses mystisch wirkende Wesen in aller Ruhe beobachten. Speziell wirken ja die seitlichen Flossen vorne beim grossen Maul, die es mal ausgestreckt, mal zusammengerollt einsetzt. Wie oder was sieht der wohl mit seinen weit auseinander liegenden Augen? In der Tat kommen immer wieder kleine Fische, die in seinen Rachen schwimmen und offenbar Reste entfernen. So geht offenbar Katzenwäsche bei den Mantas… Nach über einer Stunde haben wir definitiv genug gesehen (und sind langsam etwas müde). In derselben Zeit haben sich sicher 4 Gruppen aus Touristenbooten abgewechselt. Traurig mutet an, dass dieses schöne Tier an seinem rechten Flügel eine deutlich sichtbare Verletzung aufweist. Die stammt vermutlich von einer Schiffsschraube… die Boote brettern jeweils mit voller Kraft ohne Rücksicht über die Lagune, da ist kein Ausweichen mehr.

Passe Tuheiava – Fischreiche Tauchgänge

So verlegen wir zum Eingang des Atolls und finden dort eine Mooring zum Festmachen. Die kleine Siedlung auf dem Motu ist verlassen, wie wir schon letztes Jahr erkundet hatten. Das Timing im Passe ist ideal und gestattet sowohl am Vormittag wie auch am Nachmittag einen Tauchgang, da dann Slack resp. ein leicht einlaufender Gezeitenstrom herrscht. So nehmen wir unsere Tauchausrüstung wieder hervor und fahren im vollbeladenen Dinghy durch den Passe hinaus an den äusseren Rand des Atolls. Hier im Übergang von der Riffplatte, auf der der schmale Inselkranz liegt zum tiefen Meer liegt ein steiler Abhang. Wir gehen dort ins Wasser und bereiten uns auf den Abstieg vor. Da schwimmen gleich eine ganze Gruppe von Delfinen in unmittelbarer Nähe an uns vorbei. Wir sind noch zu sehr mit dem Anziehen der Tarierweste beschäftigt, als dass wir sie richtig beobachten könnten… und dann sind sie schon wieder weg. So tauchen wir entlang der Wand bis auf 25m ab. Allerdings ist dieser Bereich nicht allzu gut. Es hat zwar sehr viele Fische, aber nur wenig gesunde Korallen und das Licht ist auch schlecht.

Wir folgen der Kante oben am Abhang in etwa 15m bis zum Kanal des Passe, und so wird es immer besser. Eine solche Dichte und Vielfalt von Fischen haben wir bisher noch nie gesehen. Dank klarem Himmel bekommen wir auch super Lichtverhältnisse auf dieser Tiefe. Wir finden eine Muräne, die neugierig aus einem Loch hervorlugt. Die sonst sehr scheuen Triggerfish lassen sich auch mal von nahem beobachten, wie sie mit ihren scharfen, kräftigen Zähnen abgestorbene Korallen abbeissen und zerkauen. Wir sehen eine Gruppe von grossen Napoleons. Dann tauchen mehrere Meatballs auf, also grosse, dichte Ansammlungen von Fischen. So täuschen sie ihren Fressfeinden vor, etwas viel Grösseres zu sein. Sharks hat es auch einige, von weitem glaube ich einen Lemon Shark erkannt zu haben. Die Vielzahl an Fischen ist traumhaft, kein Aquarium der Welt könnte da mithalten. Man weiss gar nicht, wohin man seinen Blick richten soll. In den Korallenstöcken finden wir auch eine kleine Turtle, deren Panzer allerdings etwas überwachsen und sandig wirkt. Doch damit ist sie wohl ziemlich perfekt getarnt.

Wir wiederholen diesen Tauchgang am nächsten Tag gleich nochmals und sind erneut begeistert. Allerdings beginnt dies etwas unglücklich, über 10′ lang versuche ich die Schleppleine für das Dinghy zu entwirren, die sich in einem Mordsknoten verwickelt hat. Aber danach ist wieder gut. Den dritten Tauchgang am Nachmittag versuchen wir auf der Nordseite der Passe, doch hier werden wir etwas enttäuscht. Vielleicht liegt es an der Uhrzeit, jedenfalls wird das Wasser mit Annäherung an den Kanal immer trüber, ein Zeichen das der Gezeitenstrom nun auslaufend geworden ist und damit milchiges Lagunenwasser herangetrieben hat. Zurück an Bord profitieren wir vom neuen Kompressor, mit dem wir die Flaschen innert knapp 50′ beide wieder voll aufgefüllt bekommen. Diese neue Unabhängigkeit ist wirklich ein Gewinn! (…wenn auch nicht ganz günstig erkauft).

Tuherahera

Den Freitag abend verbringen wir im Hauptort des Atolls, der nur gerade 6NM vom Passe entfernt ist. Der Ankerplatz dort ist etwas ungemütlich, doch bei den aktuellen Windverhältnissen mit 15kn lässt es sich noch aushalten. Wir drehen eine Runde durchs Dorf, kaufen ein paar Kleinigkeiten ein (frische Baguettes!) und können endlich den angesammelten Plastikabfall der letzten Atolle entsorgen. Zum Abschluss gibt es einen wunderbaren Sonnenuntergang an der NW-Küste im Anblick der heranbrandenden Wellen des Pazifik. Wir besuchen erneut die kleine, freundliche Pizzeria wie letzten Herbst und geniessen es, wieder einmal auswärts essen zu können. Die Pizzas schmecken hervorragend und reichen gleich für den nächsten Mittag auch noch aus.

So verlassen wir nun am Sonntag, 28.06. die Tuamotus und machen uns auf die etwas längere Überfahrt nach Tahiti. Mit den Gesellschaftsinseln resp. den Sociétés erwartet uns ja ein weiterer Höhepunkt mit ganz vielen klingenden Namen: Moorea, Huahine, Raiatea, Tahaa und Bora Bora. Also, auf geht’s! Auf dem Weg dorthin gibts nochmals ein Kleinod zu entdecken: Makatea. Mal sehen …

This Post Has One Comment

  1. Andreas

    Weiterhin gute Fahrt! Andreas

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