Maupiti – Das Beste kommt zum Schluss!

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Wir hörten von anderen Cruisern so viel Gutes über Maupiti im Westen von Bora Bora. Sie gilt jenes kleine Paradies, das Bora Bora einmal vor 30 Jahren war. So hatten wir uns diese fest als Abschluss unserer Tour durch das Archipel der Sociétés vorgenommen. Die westlichste Insel Maupihaa lassen wir mit etwas schwerem Herzen weg, aber …

Passage von Bora Bora nach Maupiti (39NM, 0S, 39M)

Die Windprognose diktiert uns die Weiterfahrt von Bora Bora. Um in Maupiti in die Lagune zu gelangen muss ein recht schmaler, langer Passe befahren werden. Sofern der Wind aus Süden bläst und damit Wellen von mehr als 2m auftürmt, wird dieser zu gefährlich. Dann brechen die Wellen auf der gesamten Breite und man riskiert ein Kentern kopfüber oder Auflaufen am Riff. Die Prognose sagt uns voraus, dass nur noch bis und mit Donnerstag vm eine Einfahrt möglich sein wird, danach soll ein kräftiger Maramu aus SE aufkommen, der wohl bis Dienstag anhalten wird.

Also packen wir die Gelegenheit am Mittwoch gleich bei Sonnenaufgang loszufahren, auch wenn an diesem Tag völlige Flaute angesagt ist. Zudem vertreibt uns die unfreundliche Atmosphäre mit den hohen Kosten ohnehin von Bora Bora. Die SY Wildmaa mit Thea und Denis nutzen dieses Wetterfenster ebenso. Gut haben sie gleich bei Ankunft auch bei der Gendarmerie die Ausreiseformalitäten für Französisch Polynesien erledigt, denn dies ist der letzte Ort dafür. Man muss spätestens 48h vor Ausreise mit der gesamten Crew bei der Gendarmerie vorsprechen. Dank ihrem kräftigen Aussenborder können sie im Dinghy gleich am Montag früh um die Südspitze übers Schelf ins Dorf fahren.

Nach einem Zwischenstop am Kai beim Ort Vaitape für das Abholen der Clearance und Stempeln der Pässe bei der Gendarmerie, dem Begleichen der Mooring Fee und einem letzten Einkauf nehmen wir Kurs hinaus aufs Meer. Unter Maschine pflügen wir über die spiegelglatte Oberfläche mit gut 6kn Fahrt. Dies wird zu unserer bisher längsten Strecke unter Maschine dieser Saison, doch nehmen wir dies in Anbetracht der Perspektiven gerne in Kauf. Nach knapp 4h erreichen wir den Passe an der Südspitze von Maupiti. Auf beiden Seiten brechen beeindruckend hohe Wellen, doch in der Mitte liegt das Fahrwasser ruhig da. Die deutlichen Seezeichen erleichtern die Einfahrt. Selbst der entgegenkommende Strom von gut 2kn bereitet keine Schwierigkeiten. Gleich neben dem Passe ankert die Wildmaa bereits im türkisblauen Wasser. Wir lassen unseren Anker gleich daneben in den weissen Sand auf 6m fallen und liegen gut und fest.

South Anchorage – Manta Cleaning Station

Gleich zwei Stellen in der Lagune nicht weit von unserem Ankerplatz sind als Manta Cleaning Station ausgezeichnet. Als wir gleich nach Ankunft einen ersten Versuch unternehmen, finden wir dort aber nichts (abgesehen von einem Eagle Ray … wir sind mittlerweile sowas von verwöhnt!). Doch am nächsten Morgen erkennen wir anhand der immer zahlreicher werdenden Tourboote, wo etwas los sein muss. Das Wasser ist immer noch spiegelglatt, der Himmel blau und sonnig, also ideale Verhältnisse zum Schnorcheln. In der Tat finden wir bereits beim ersten Platz gleich 3-4 Mantas, die majestätisch und ruhig um einen grossen Korallenstock in 9m Tiefe herum gleiten. Das Wasser ist ordentlich klar, jedenfalls viel besser als alles was wir bisher in den Marquesas oder Tuamotus gesehen haben. So können wir diesem Schauspiel in Ruhe während sicher einer Stunde zuschauen. Solange noch Tourboote mit ihren Gästen da sind, dürfen wir nicht abtauchen. Offenbar befürchten die Guides, dass damit die Mantas vertrieben werden (was bei ungeschicktem Verhalten auch riskiert würde).

So kehren wir am Nachmittag nochmals an diesen Platz zurück, als keine Tourboote mehr anwesend sind. Es sind immer noch 3-4 Mantas anwesend und wir können uns diesen eingehend und ungestört widmen. Ich achte beim Abtauchen jeweils speziell darauf, mich möglichst in ihrem Blickfeld aufzuhalten, um sie nicht zu überraschen, sowie mich möglichst langsam und ruhig zu bewegen. So gelingen einige wunderbare Aufnahmen aus nächster Nähe, ohne dass sich die Tiere merklich durch uns gestört zeigen. Sie ziehen mit elegantem Flügelschlag ihre Runden, kräuseln die beiden seitlichen Flossen am Maul und öffnen den Rachen weit, sodass man hineinsehen und die Struktur der Kiemen erkennen kann. Putzfische schwimmen um sie herum und auch in ihren Rachen hinein. Sie wissen offenbar, dass Mantas Vegetarier sind und ihnen also nichts anhaben werden.

Der zweite Schnorchelplatz ist fast wieder etwas wie Disneyland. Zahlreiche Gäste stehen auf dem flachen Schelf im Sand. Dieser wird aufgewirbelt und trübt die Sicht. Doch hier sind die Korallenstöcke nur knapp unter der Oberfläche und die beiden sehr ansehlichen Exermplare von Mantas scheinen sich durch die vielen anwesenden Beine im Wasser kaum stören zu lassen. Dank der geringeren Tiefe lassen sie sich gut beobachten. Magisch ist, wie sie manchmal unbeirrt direkt auf uns zuschwimmen mit weit geöffnetem Maul und zum Greifen nahe unter uns hindurchgleiten. In solchen Momenten kann ich nur noch den Atem anhalten, regungslos verharren und staunen.

Thea und Denis geniessen diese wunderbare Spektakel ebenso, am Abend treffen wir uns jeweils gegeseitig an Bord zum Apero und Austausch. Der angekündigte Starkwind vom Donnerstag verfestigt sich in der Prognose, also verlegen wir an diesem Tag hinüber vor das Dorf zu einem nochmals etwas besser geschützten Ankerplatz auf der Ostseite.

Village Anchorage – Maramu

Nach Ankunft am neuen Ankerplatz gehen wir kurz mit dem Dinghy hinüber ins Dorf. Es bläst erst mit etwa 15kn, genug um bei der Fahrt nass gespritzt zu werden, jedoch immer noch gut machbar. Wir hoffen im Dorf noch einige Lebensmittel zu finden, doch bei den beiden auf der N-Seite herrscht ziemlich trostlose Leere in den Gestellen. Ein Einheimischer klagt, dass Maupiti eine Katastrophe sei. Der Frachter bringe nur einmal im Monat neue Vorräte, und innerhalb weniger Tage seien diese alle verkauft. Der letzte war vor 8 Tagen hier, … es herrscht also wenig Hoffnung auf eine Verbesserung der Versorgungslage während unserer Anwesenheit. Aber wir sind ja eigentlich recht gut eingedeckt und es muss nur noch für 10 Tage reichen.

Thea und Denis sind etwas erfolreicher mit ihrer Erkundungstour auf die S-Seite. Sie finden eine Bäckerei, reservieren frische Baguettes für den kommenden Morgen. Tatsächlich versorgt Denis am Samstag kurz nach Sunrise um 07h auch uns! Herrlich! Schon in der Nacht hat der Wind kräftig aufgefrischt und bläst fast konstant mit 20kn. Selbst in der Lagune baut sich damit etwas Welle auf, erreicht aber nur etwa 0.5m. Hie und da zieht ein Regenschauer durch, begleitet von stärkeren Böen bis gegen 30kn. So sind wir nun vorübergehend an Bord gefangen, denn unser Dinghy ist zu schwach und klein für solche Bedingungen. Also beschäftigen wir uns mit Lesen, Schreiben (zB. Blog) und Administrativem. Auch einige Unterhaltsarbeiten können angegangen werden. Bis am Dienstag soll es so bleiben… doch es gibt eindeutig schlimmere Orte um eine solche Starkwindphase mit Maramu abzuwettern. Zudem verfestigt sich in der Prognose, dass wir am Donnerstag ein Fenster bekommen werden, um zu den Cook Islands weiterzusegeln. Dies ist eine schöne Perspektive, die uns zurück auf unseren ursprünglichen Zeitplan bringen könnte. Wir erledigen folglich die verlangten Formalitäten dieses mit Neuseeland assoziierten Inselstaats.

Bereits am Montag trauen wir uns mit dem Dinghy an Land, obwohl es immer noch ordentlich bläst. Der Steg schaukelt heftig und auch das Wasser in der Lagune ist sicher gegen 1m höher als bei unserer Ankunft. Dieser kräftige Wind drückt viel Wasser über das Aussenriff in die Lagune. Doch es ist sehr befreiend, nach zwei Tagen an Bord wieder einmal die Beine vertreten zu können. So wandern wir gleich um die ganze Insel Maupiti herum, … dies sind ja nur knapp 10km. Denis und Thea treffen wir auf der gegenüberliegenden Seite, sie haben die andere Richtung gewählt. Die Rückfahrt im Dinghy wird dann sehr nass, doch an Bord kann man sich ja wieder umziehen. Am nächsten Tag sieht das Wetter recht gut auf, so machen wir uns auf den Weg hinauf zum Mont Teurafaatiu. Wir steigen den direkten, steilen Anstieg aus dem Dorf hinauf und erreichen nach einer Stunde den Gipfel auf 350m. Schon im Aufstieg eröffnen sich immer mal wieder schöne Ausblicke über die Lagune, Motus und das Aussenriff. Das Wasser der Lagune leuchtet in den verschiedensten Blautönen, schlicht wunderbar. Auf der anderen Seite erkennen wir ein interessantes Muster von Korallen in der Lagune, die kleine Becken bilden. Hinab folgen wir dann dem NE-Grat, der zwar etwas länger, dafür deutlich weniger steil hinab führt. Unten angekommen lassen wir es uns mit einem feinen Mittagessen beim einzig geöffneten Restaurant gutgehen. Die Küche ist hervorragend, und trotz voller Belegung schafft sie es, alle Gäste in vernünftiger Zeit zu bewirten.

Wir besuchen am Dienstag morgen noch das Motu am Aussenriff. Entlang schöner Strände und durch Kokos-Plantagen führt uns die Wanderung wieder zurück zum Ankerplatz. Der Wind hat sich deutlich gelegt, so verschieben wir mit der Shiva zurück an den Ankerplatz im Süden beim Passe. So bekommen wir nochmals einen ganzen Tag an diesem schönen Ort und einen weiteren wunderbaren Sunset.

Mit der Tauchausrüstung reinige ich den Rumpf grob vom seit April angesammelten Bewuchs. Allzu schlimm ist es noch nicht, aber nötig war’s trotzdem. Am Mittag, als alle Tourboote endlich weg sind, besuchen wir erneut die Manta Cleaning Station. Im Wasser entdecken wir bald einmal 4 Mantas, die immer wieder um denselben Korallenstock ihre Runden drehen. Allerdings ist diesmal das Wasser deutlich trüber, wohl der Effekt des starken Windes der letzten Tage. Mit der Restluft aus der Flasche tauche ich zu den Mantas ab und kann ihnen aus nächster Nähe in 10m Tiefe zuschauen. Das Erlebnis ist überwältigend. Mehrmals gleitet eines dieser majestätischen Tiere ruhig über mich hinweg. Ich halte die Luft an und staune nur noch, auch etwas erleichtert, dass unsere Anwesenheit sie offenbar nicht gross stört. So nah, klar und lange haben wir Mantas bisher noch nie gesehen. Dies ist wohl der schönste Abschluss, den wir uns für Französisch Polynesien nur wünschen konnten.

Dann machen wir am Nachmittag die Shiva klar zur Weiterfahrt in die Cook Islands. Das Wetterfenster sieht gut aus, wenn auch in den Prognosen stundenlanges Motoren angedroht wird. Was soll’s? Wir werden dann draussen sehen, was der Wind uns bringt. Die SY Wildmaa ist am Nachmittag hinter der Fähre durch den Passe gerauscht. Sie steuern direkt Niue an, mit einem Zwischenstopp dazwischen je nach Lust und Wetter. Wir gehen um 16h dann auch Anker auf und steuern den Passe an. Die Strömung spült uns mit sicher 4kn in den Ozean hinaus, wo uns ruppige Wellen gleich nach der Ausfahrt heftig durchschütteln. Wir sind froh, dass wir unter solchen Verhältnissen nicht hinein müssen, dass hätte kritisch werden können. Zwei andere Yachten kreuzen vor dem Passe und warten auf bessere Verhältnisse. Sobald wir aus der aufgewühlten See des Passe heraus sind, setzen wir die Segel, schalten die Maschine aus und nehmen Kurs nach SW, auf Rarotonga, dem Hauptort der Cook Islands in 520NM Entfernung.

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