Bora Bora – Traumziel, oder etwa doch nicht…?

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Wenn eine Insel in Französisch Polynesien neben Tahiti bekannt ist, dann wohl Bora Bora. Ihr Ruf wird himmelhoch gelobt, doch kann sie denn auch halten, was sie verspricht? Jedenfalls bin ich ausgesprochen skeptisch, nachdem ich die verschiedenen Angaben für Cruiser (aka Fahrtensegler) dazu gelesen habe. Ganz offensichtlich sind diese dort nurmehr wenig willkommen, und wenn, dann als Cash Cows. Ganze 5 Plätze sind im Atoll für private Yachten zugelassen, zwei als freie Ankerplätze, jedoch maximal während 36h, die anderen drei in einem Bojenfeld, wobei dort dann ein Obulus von 4000XPF resp. 40USD pro Nacht fällig wird. Und dann all diese Resorts mit ihren Bungalows, die weit in die Lagune hinein aufgereiht sind. Schön ist dies schon lange nicht mehr, wenn unmittelbar nebeneinander auf gut einer Meile Strand gleich 5 Resorts stehen. Diese nehmen für sich jedoch weiterhin in Anspruch, höchsten Luxus zu bieten und verlangen auch entsprechende Preise pro Nacht, die irgendwo bei 1000USD beginnen (wohlgemerkt: noch ohne Mahlzeiten!). Doch offensichtlich finden sie weiterhin ihre Klientel, der Monat August ist beinahe ausgebucht. Allein eine Strandvilla mit Privatpool für 10’000USD p.N. ist noch frei…

Gut, zumindest haben wir das Überwasser-Bungalow ja selbst dabei samt angrenzendem Infinity-Pool, können wenigstens zwischen 5 Standorten hüpfen und vor solchen Übernachtungs-Preisen erscheint die uns auferlegte Mooring Fee ein Schnäppchen.

Passage nach Bora Bora (25NM, 20S & 5M)

Wir sehen die markante Silhouette von Bora Bora jeweils im Sonnenuntergang von Tahaa aus, es ist wirklich nicht sehr weit. Allerdings zeigt uns die Windprognose, dass wir am Donnerstag los müssen, um bei vertretbarem Wind übersetzen zu können. Danach kommen einige Tage Starkwind und danach Flaute. Also geht’s am Morgen nach gemütlichem Frühstück um 08:30h los. Erst müssen wir unter Maschine durch die Lagune nach Süden bis zum Passe hinaus aufs offene Meer. Als wir durch den Passe steuern kommt uns gleich die grosse Fähre des Apetahi Express entgegen, doch sie lässt uns ausreichend Platz und wir bleiben auch schön eng an der rechten Seite der Fahrstrasse.

Draussen empfängt uns ein kräftiger Wind aus SE bis S von knapp 20kn. Da reicht die Genua allein gut aus, wir bekommen auch so schon über 7kn Fahrt. Die See geht hoch mit gut 3m Welle und der Wind frischt weiter auf bis 25kn. Zumindest kommen wir so gut voran und erreichen bereits 3h später die Einfahrt zur Lagune von Bora Bora auf der W-Seite. Die ist damit sehr gut geschützt und liegt ruhig da. Die Einfahrt ist problemlos und so steuern wir das Bojenfeld vor dem Yacht Club bei der Hauptinsel an. Insbesondere weil unser Aussenborder noch nicht zuverlässig, gesichert läuft, wollen wir nahe bei einem Landesteg für das Dinghy liegen. Alle Moorings sind besetzt, also müssen wir wohl oder übel ankern trotz der grossen Tiefe von 26m. Wir lassen 70m Kette hinter dem Bojenfeld fallen und kommen zum Stillstand. Weitere Yachten die nach uns ankommen ankern ebenso. Es bläst heftig mit immer noch mehr als 20kn, so sind wir froh hier vorerst sicher zu liegen. Allerdings erfahren wir bald die Nachteile dieses Ortes. Fett motorisierte Boote rasen morgens bis abends in voller Fahrt durch das Bojenfeld hindurch, völlig rücksichtslos vom verursachten Wellenschlag, der uns oftmals wild rollen lässt. Taxiboote zu den auf den äusseren Motus liegenden Resorts, Fischerboote, Tourboote, es ist ein regelrechtes Towuwahobu. Keinesfalls hätten wir uns getraut, vom Heck aus ins Wasser zu steigen und ums Boot zu schwimmen.

Fare Piti – Heiva und Mont Ohue

Am nächsten Tag sieht das Wetter besser aus, sodass wir einen Landgang unternehmen können. Wir kaufen im Super-U ein, ich kläre bei der Gendarmerie die Formalitäten für das Ausklarieren ab und Coco organisiert Tickets für die Heiva-Vorführung vom Samstag. Bei einem Chandler versuche ich Papier zum selber Ausschneiden einer Dichtung zu bekommen, doch dort haben sie auch nichts. Sie meint, ein ihr bekannter Fischer stelle diese aus dem Material von Reissäcken her…

Am Nachmittag mache ich mich also nochmals ausgiebig an den Aussenborder heran. Erneut trenne ich den Motor vom Schaft und bastle nochmals ein Provisorium mit Wassermacher-Schlauch auf die gebrochene Kühlwasserleitung. Zudem baue ich mit Metall-Epoxy eine Ecke des Schafts neu auf, die auf ca. 2cm Länge komplett wegkorrodiert war. Dort leckte Kühlwasser seitlich heraus und verfehlte damit seine Wirkung. Vermutlich hat sich dort gerächt, dass mir in den ersten Jahren nicht bewusst war, dass ich im Innern des Motors auch eine Anode einsetzen muss. Doch schon beim Kauf fehlte diese, ebenso wie das Thermostatventil. Nun öffne ich auch jenes Teil, erneuere die gut abgenutzte Anode und ersetze auch das recht oxidiert erscheinende Thermostatventil. Nun muss jedoch auch die Kühlwasserdichtung erneuert werden… aber wie? Dank Unterstützung von KI finde ich im Internet eine Beschreibung, dies halt mit einem Milchkarton zu versuchen. Mit Pauspapier übertrage ich die komplizierte Form direkt von der Unterseite des Motors, übertrage diese dann auf einen Milchkarton und schneide das Ganze dann wie in der Primarschule gelernt als Scherenschnitt aus. Die Löcher für die neun Schrauben setze ich mit dem im Büromaterial mitgeführten Locher. Nach etwas ziehen und drücken passt die neue Dichtung halbwegs zufriedenstellend. Bis zum Sonnenuntergang ist alles wieder zusammengebaut und ich bin völlig geschafft.

Die Probe aufs Exempel folgt am nächsten Morgen. Der Aussenborder kommt zurück aufs Dinghy und ich fahre Coco zum nahen Dock des Frachthafens hinüber, da er für sich noch diverse Besorgungen erledigen möchte (Ukulele, Perlen, …). Der Motor startet wie bisher auf Anhieb, gut! Und … der Kontrollstrahl des Kühlwassers (aka Pisser) schiesst unten aus dem Motor hervor (und nicht mehr seitlich aus dem Gehäuse). Das sieht ja richtig gut aus! Brigitt und ich fahren später auch an Land zu einem kurzen Spaziergang hinauf zu einem Aussichtspunkt mit alten Kanonen der USA aus dem WW II. Auf dem Weg begegnen wir den Läufern eines Berglaufs quer über die Insel. Da wir zu Ehren des Nationalfeiertags unsere T-Shirts mit Schweizerkreuz tragen, halten uns diverse Leute für Sanitäter. Doch es gibt auch einige, die unsere Nationalfarben erkennen und darauf ansprechen.

Im Dorf erledigen wir nochmals einen grösseren Einkauf für die nächsten 2 Wochen beim Super U, treffen uns mit Coco und können so bei der Gendarmerie unsere Ausreise aus FP per 06.08. anmelden (die muss über Papeete und wieder zurück, also mindestens 48h vorher angekündigt werden). Danach gönnen wir uns ein leckeres Mittagessen in einer der schön geschmückten, traditionellen Hallen des Heiva-Geländes. Auf dem Rückweg werden wir von einer freundlichen Dame mitgenommen, sodass wir unsere vollen Einkaufstaschen nicht weit zu tragen haben. Am Abend kehren wir frühzeitig ins Dorf zurück und können so recht gute Plätze in einer der vorderen Reihen des Heiva Geländes reservieren.

Wir bekommen dort nochmals eine beeindruckende Show geboten. Diese wurde dem Thema Drogenmissbrauch gewidmet, das offenbar in Franz. Polynesien ein erhebliches Problem darstellt. Insbesondere der Konsum von ICE (Metamphetamin, Crystal Meth) sei eine Plage. Symbolisch zeigen die Darsteller eine traditionelle Familie mit starlkem Zusammenhalt, während ein Jugendlicher abseits herum torkelt und sich später dann das Leben nimmt. Jedoch aus den Tanz- und Gesangsdarbietungen erkennen wir den Zusammenhang mit dieser Rahmenhandlung nicht wirklich. Die ist halt einmal mehr schlicht eine atemberaubende Orgie von ohrenbetäubender, mitreissender Perkussion (48 Personen) und Gesang (20) und einem farbenfrohen, perfekt choreografierten Tanz wippender Hüften von Südsee-Schönheiten und schwenkender Knie der Männer. Die Kostüme und speziell der meterhohe Kopfschmuck sind kunstvoll von Hand durch die Artisten selbst gefertigt aus Blumen, Palmwedeln, Bast und Blättern. Im Hintergrund wurden drei Feuer entzündet, und als stiller Hauptdarsteller geht auch noch der Vollmond blutrot dahinter auf. Das wurde ein echter Hühnerhaut-Moment! Nach 2h intensiver Aufführung sind unsere Sinne einmal mehr vollkommen berauscht. Auf dem Rückweg nimmt uns ein junges Paar mit, das offenbar die frischen Blumen und Blätter für diesen Abend geliefert hatte und nun um 23h auf dem Heimweg war, um den eigenen Kindern das Essen vorbeizubringen.

Gleich am nächsten Morgen nehmen wir unsere Wunschtour auf einen der Gipfel von Bora Bora in Angriff. Gleich bei Sunrise machen wir uns auf den Weg und setzen einmal mehr mit dem Dinghy zum Dock beim nahen Frachthafen hinüber. Der Aussenborder läuft wunderbar! Der Weg führt auf einem Bergrücken erst gemütlich hinauf und bietet schon hübsche Ausblicke über die Lagune und die benachbarten Hügel und Motus, bis wir den Fuss der Felswand erreichen. Dort quert er auf die Nordseite und steigt immer steiler bergwärts. Schwierig wirds, als wir einen Erdrutsch queren müssen, denn die Fortsetzung auf der anderen Seite lässt sich erst nach einigem Suchen wieder finden. Auch beginnt es zu regnen, sodass der Boden recht rutschig wird. Das letzte Stück wird dann wieder richtig steil, ähnlich wie schon beim Mont Rotui. Stellenweise hat es Seile, an denen man sich hinaufhangeln kann, manchmal fehlen sie aber auch. Wir erreichen nach 2.5h den Gipfel des Mont Ohue, und die Wolken verziehen sich. Wir geniessen die Aussicht über die ganze Lagune auf allen Seiten, sowie den Blick auf die beiden weiteren Gipfel von Bora Bora, den Pahia und den abweisenden, senkrechten Felszapfen des Otemanu. Wir lassen es hier gut sein und verzichten auf das letzte Stück über den schmalen Grat zum 40m höheren Pahia, denn einerseits macht uns der Abstieg noch etwas Sorgen wegen des nassen Untergrunds und zudem wollen wir an diesem Tag auch noch mit der Shiva in den SE verlegen. Vorsichtig klettern wir also meist rückwärts den rutschigen Pfad wieder hinunter. Beim Erdrutsch finden wir diesmal gut hindurch und lassen uns auf einen scheinbar direkteren Weg hinab zum Meer locken, den Chemin des Cascades. Aber der Name hätte uns bereits warnen sollen… es wurde viel schwieriger als beim Aufstieg. Nachdem wir bis auf 100m zum Strand abgestiegen waren, fanden wir plötzlich kein Durchkommen mehr. Mehrere Versuche höher und tiefer endeten jedes Mal wieder in undurchdringlichem Dickicht. Ich stand nach fast 1hr Sucherei kurz davor, wieder zurück hinauf zum ersten Weg zurückzukehren. In einem letzten, fast schon an Verzweiflung grenzenden Versuch, brach ich durch ein Stück dicht zugewachsenes Gebüsch hindurch und kam nach einigen Metern dann tatsächlich wieder auf den Weg… Erleichtert und sehr durstig erreichten wir die Ringstrasse um die Insel, die uns wieder zurück zum Frachthafen brachte. Gut hatte trotz Sonntag ein kleiner Laden mit Lebensmitteln geöffnet, sodass wir etwas Kaltes zu trinken einkaufen konnten. Hinunter hatte damit fast länger gedauert als hinauf. Sic!

Fareone – Eagle Rays, Mantas und ein Amok laufender Dockmaster

Alsbald wir zurück auf der Shiva sind wuchten wir den Aussenborder an Bord hinüber und gehen Anker auf. An diesem Ankerplatz wollen wir sicher nicht nochmals eine Nacht verbringen. Der Weg durch die Lagune um die Nordspitze der Insel ist fast 8NM weit und führt durch eine schmale, flache Stelle über das Riff. Dies sollten wir unbedingt noch bei hellem Sonnenlicht schaffen. Die Stelle ist zwar gut markiert, kostet jedoch Nerven. Diverse Bommies kommen gefährlich nahe an unseren Rumpf, obwohl wir versuchen, dicht an den Markierungen zu bleiben (was sich im Nachhinein als ungünstig erwies). Auch die Wassertiefe kommt bis auf gut 2m hinauf, doch dies reicht bei eingefahrenem Kiel ja noch gut (wir brauchen nur 0.9m). Als wir uns dem Bojenfeld bei der SE-Spitze von Bora Bora nähern erkennen wir einen Katamaran, der seine Segel setzt und trotz der späten Uhrzeit noch wegfährt. So bekommen wir die letzte freie Mooring zu fassen und liegen somit gut und fest. Unsere Freunde von der SY Wildmaa, die wir seit Raroia in den Tuamotus nicht mehr gesehen haben (abgesehen von einem kurzen Hallo auf Tahaa), ankern etwas weiter vorne. So setzen wir uns zum Sundowner zusammen und tauschen uns über die letzte Zeit aus.

Am nächsten Tag kommt dann auch die Salish Dragon zu uns hinüber. Als wir beim BB Yacht Club nach Rückkehr von der Wanderung losgefahren sind, haben wir sie schlicht übersehen. Sie waren am Vortag auch von Tahaa hierher gefahren. So gibt es wieder ein herzliches Hallo, eifrige Partien von Brändi Dog und viele Geschichten.

Am Morgen kommt ein Boot der Gesellschaft vorbei, die die Mooring Fees einzieht (BBMS). Er legt sich seitlich an die Shiva und ich begrüsse ihn freundlich. Doch kurz darauf bekomme ich eine volle Tirade von wüsten Beschimpfungen ab, dass ich hier nicht bleiben könne, weil ich mich nicht telefonisch bei ihm gemeldet habe. Dies sei alles privat und ich solle nun blitzartig verduften. Wenn ich nicht sofort gehe, schneide er uns die Mooringleinen ab. Ich versuche ruhig zu bleiben und zu erklären, komme jedoch nicht zu Wort. Schliesslich sehe ich keine andere Lösung als das Ganze mit dem Mobile zu filmen. Ich erkläre ihm, dass wir nicht gedenken hier wegzugehen und er doch bitte die Gendarmerie anfordern solle, wenn er meine, dass wir im Unrecht seien. Jedoch müsse ich mir seine immer ausfälliger werdenden Tiraden und Drohungen nicht weiter antun. Ich versicherte ihm, dass ich für die Mooring Fee aufkommen werde, doch er wollte davon nichts hören. Er telefonierte und zog dann unter lautem Fluchen von dannen.

Ab dieserm Zeitpunkt traute ich mich nicht mehr, dass Schiff unbeaufsichtigt zu lassen. Coco und Brigitt gingen zusammen mit Denis und Thea von der Wildmaa zu einem Schnorchelplatz mit zahlreichen Eagle Rays, sowie einem mässig guten Korallengarten. Am Nachmittag durfte ich dies nachholen und selber das Schauspiel beobachten, wie sich eine grosse Gruppe von 11 Eagle Rays im nicht allzu tiefen Wasser einer Rinne an der Südspitze des Motus tummelten.

Am nächsten Morgen kam dann in der Tat ein Boot der Gendarmerie vorbei. Sie erkundigten sich über das Vorgefallene vom Vortag und erklärten mir zu meiner Erleichterung, dass diese Person bekannt und berüchtigt für ihr ausfälliges Verhalten sei. Sie entschuldigten sich in aller Form für das Erlebte und gaben mir die Kontaktdaten des Büros von BBMS. Ich solle mit denen direkt die Angelegenheit mit den Mooring Fees regeln. Sie dankten uns für den Besuch auf Bora Bora und wünschten uns einen guten Abschluss. So geht das also! Ich kontaktierte das Büro via Whatsapp, bekam einen Rückruf und eine erneute Entschuldigung von Manuia. Wir vereinbarten, dass wir vor der Weiterfahrt bei ihr im Büro vorbeischauen werden und dort die Fees für 4 Nächte à 4000XPF begleichen werden, ungeachtet ob vor Anker oder an einer Mooring. Ich bat sie, dass der Typ uns nicht mehr kontaktieren und unserem Schiff fernbleiben solle. Also alles gut, oder?

Danach besuchen wir mit Steve und Tracey einen etwa 1NM im Norden liegenden Schnorchelplatz, der als Manta Cleaning Station bekannt ist. Nach etwas Suchen finden wir ein Prachtsexemplar von einem Manta, der dort majestätisch und ruhig seine Runden über den Korallenstöcken zieht. Wir können diesen in Ruhe während fast einer Stunde bewundern. Zwei Gruppen von Tauchern, offensichtlich Anfänger (sic!) ist auch in der Nähe. Sie liegen am Grund auf lebenden Korallen, treten mit den Flossen darauf herum und halten sich mit den Händen fest. Kein Wunder sind in der Nähe von Resorts die meisten Korallen nach einiger Zeit abgestorben. Auf dem Rückweg zum Dinghy entdecken wir nich einen zweiten Manta, und unser Tag ist damit wieder einmal perfekt… wäre da nicht…

Zurück beim Schiff sehen wir erneut unseren speziellen Freund durchs Bojenfeld kurven. Prompt taucht er auch bei uns auf und verlangt ultimativ, dass wir nun sofort zahlen und dann abhauen müssen. Meine Erklärungen zur Begegnung mit der Gendarmerie und der Abmachung mit Manuia vom BBMS Büro lassen ihn kalt. Die seien eh alle nicht zuständig und er allein der Chef und Eigentümer. Ich lasse ihn weiter herumschreien und toben, weigere mich jedoch weiter mit ihm zu sprechen. Nach einer Weile verzieht er sich endlich, nicht ohne bei Wegfahrt mit seinem Motorboot noch heftig in unsere Bordwand zu krachen. Abgesehen von schwarzen Striemen entstand kein Schaden, unser Vorteil des Alu-Rumpfs. Wir waren sehr erleichtert, ihn nicht mehr wieder zu sehen. Und so blieben wir auch unsere letzte Nacht auf Bora Bora unbehelligt an der Mooring.

Brigitt hört plötzlich ein Plätschern an unserem Heck und eine freundliches «Grüezi» erklang. Ein Gast eines Charter-Katamarans aus der Schweiz schwamm quer durchs Bojenfeld um uns zu besuchen. Im Gespräch stellt sich heraus, dass sie auch aus Winterthur kommt, und dann auch noch Lehrerin in Oberi, also automatisch gemeinsame Bekannte auftauchen. Wie ist die Welt doch klein, einmal mehr!

Es galt nun Abschied zu nehmen von Steve und Tracey von der Salish Dragon, die uns seit unserer ersten Begegnung im letzem Jahr im Juli auf Tikehau immer wieder begleitet haben. Wir haben uns unendlich viele, hart umkämpfte aber auch immer wieder spannende Partien Brändi Dog geliefert (übrigens seit Beginn in der Konstellation Frauen gegen Männer). Der Ausgang war, wie es sich für ein Glücksspiel gehört, ziemlich ausgeglichen (auch wenn der Eindruck der letzen paar Abende eher für eine Übermacht des starken Geschlechts sprach). Sie werden diese Saison im Oktober auf Moorea beenden, also nochmals 2.5Mt in den Sociétés bleiben, während wir weiter nach Westen ziehen. So umrunden wir bei Sonnenaufgang ihren Katamaran in spiegelglatter See zu Rod Stewarts melancholischen Klängen von «I am sailing» und kehren nach Vaitape zurück.

Im Ort Vaitape legen wir die Shiva längsseits an die Kaimauer. Die Formalitäten bei der Gendarmerie zur Ausreise sind schnell erledigt, unsere Pässe bekommen eine Ausreisestempel. Beim Büro von BBMS begleiche ich den Obolus für die Nächte auf Bora Bora bei Manuia. Dann nochmals ein letzter Einkauf von Lebensmitteln und Früchten, denn bis zu den Cook Islands wird sich kaum noch etwas finden lassen. Und damit wenden wir Bora Bora den Rücken zu, beglückt von doch mehrheitlich schönen Erlebnissen und erleichtert, einen dunklen Schatten hinter uns lassen zu können.

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