Makemo & Tahanea

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Nach Raroia sind wir recht geflasht. Wir waren uns gar nicht mehr so richtig bewusst, wie schön die Unterwasserwelt in den Tuamotus ist, und dies eben nicht nur primär in den Pässen. Letztes Jahr hatten wir uns ja vorwiegend auf die Pässe konzentriert, nun stellten wir fest, dass auch in den Atollen und speziell auf der windzugewandten Seite zwischen den Motus, diesen winzigen Inselchen, oft auch wunderbare Verhältnisse herrschen, jedoch ohne die starke Gezeitenströmung in den Pässen. Also machen wir uns auf, weitere solche Orte zu erkunden.

Passage nach Makemo (91NM, davon 76 gesegelt)

Wir verlassen den kleinen Ort Ngarumao auf Raroia am späten Nachmittag und fahren unter Maschine zum Pass. Der ordentlich stark auslaufende Gezeitenstrom spült uns mit zusätzlichen 4-5kn hinaus ins offene Meer, wir erreichen im Pass über 10kn Fahrt über Grund. Dem Gewusel von recht grossen Wellen ausserhalb können wir gut nach Süden ausweichen. Aufgrund von Berichten suchen wir das Meer vor dem Pass nach Mantas oder anderen Tieren ab, doch heute tummelt sich nichts in der Gegend herum, zumindest nicht an der Oberfläche. So setzen wir das Vorsegel und nehmen bald gute Fahrt auf. So können wir uns die Mühe für das Grosssegel schenken, denn bei dieser Passage gilt es, unsere Ankunft auf den Sonnenaufgang am nächsten Morgen einzurichten. Bei einer Distanz von gut 70NM reichen dazu eine Geschwindigkeit von 4kn völlig aus. Dies gibt damit eine recht gemütliche, entspannte Nachtfahrt. In deren Verlauf müssen wir sogar weiter Fahrt rausnehmen und reffen dazu die Genua. Die Nacht wird vom Vollmond fast taghell erleuchtet. So sieht man zwar die Umgebung, also das weite Meer, sehr gut, dafür die Sterne kaum noch.

Etwas vor der Zeit gegen 5 Uhr morgens treffen wir vor dem Pass von Makemo ein. Wir drehen noch eine Runde unter Segel, bis die Sonne aufgeht und steuern dann auf den Pass zu. Unser Prognose-Tool Guestimator zu den Strömungen in den Pässen der Tuamotus hatte uns einen beginnenden Ebbstrom vorhergesagt, der im Maximum dann knapp 4kn erreichen solle. Bei Anfahrt können wir die recht grossen stehenden Wellen vor dem Pass gut steuerbord liegen lassen und uns unter Maschine langsam in die breite Einfahrt schieben. Doch die Prognose stellt sich bald als weit gefehlt heraus. Wir kommen kaum vom Fleck, ja werden stellenweise vom Strom wieder hinaus gegen die hinter uns stehenden Wellen gedrückt. Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit muss ich der Maschine wieder einmal mehr als 2000 Touren zumuten (was aber immer noch im grünen Bereich liegt), damit wir mit mikrigen 0.5kn uns im Schneckentempo durch den Pass hindurch vorarbeiten können. Gut fliesst das Wasser uns hier ruhig entgegen, während etwas seitlich ein scheinbar reissender Fluss mit schäumenden Wellen hinauszischt. Wir benötigen fast eine ganze Stunde für die eine Seemeile, bis wir das Seezeichen auf der Innenseite des Passes erreicht haben. Erleichtert können wir die Drehzahl der Maschine zurücknehmen und Kurs auf den Hauptort Pouheva nehmen. Wir schwören uns, so etwas nie wieder zu tun! Der Schreck sass uns zünftig in den Knochen.

Im Ort liegt das Frachtschiff am Dock, was auf volle Regale in den Läden hoffen lässt. Wir ankern vor dem Ort möglichst nahe beim Dock, damit der Weg an Land kurz wird und in der Hoffnung auf etwas besseren Schutz vor dem kräftigen Wind aus SE. Der Schwell macht das Bereitmachen des Dinghys einmal mehr zur Herausforderung. Wir wollen eigentlich ja nur kurz an Land, um einige Dinge einzukaufen. In der Bäckerei finden wir Croissants und Quiches, doch die Baguettes seien schon ausverkauft. Mein trauriger Hundeblick erweicht die nette Dame an der Kasse… sie zweigt eines der Brote aus einer Bestellung von 20 Stück für uns ab. Im grossen Laden finden wir frischen Salat (zu 600XPF das Stück!), Tomaten, Kabis, usw. Dies erfreut den Menuplan! Doch Eier habe sie keine mehr… He nun. Wir suchen noch eine Weile in der Gegend rum, können jedoch nichts finden.

Makemo – im Osten des Atolls

Die nächste Zeit ist eh ordentlich Wind aus SE angesagt, so verlegen wir an den SE Rand des Atolls. Dort versprechen wir uns weniger Schwell, denn hier vor dem Ort schaukelt es unangenehm. Dies bedeutet nach der Nachtfahrt nochmals 12NM, also gut zwei Stunden unter Maschine gegen den Wind und die Müdigkeit anzukämpfen. Dabei braucht es weiterhin viel Aufmerksamkeit, da man den Korallenstöcken (aka Bommies oder frz. Patates) in der Lagune ausweichen muss. Wir hörten von diversen Kollisionen anderer Yachten mit Bommies, speziell auch auf diesem Weg, der einem Minenfeld gleich gespickt davon ist. Doch, uns läufts tipp topp, wir ankern etwas abseits der bereits zahlreich anwesenden Boote im zauberhaften, türkisblauen Wasser und lassen unsere Anspannung abfallen.

Am nächsten Tag sind wir wieder erholt und machen uns an einige kleinere Arbeiten. Putzen unter Deck ist wieder mal angesagt. Ich revidiere den Generator, der sich in perfektem Zustand erweist. Dann mache ich mich wieder einmal an den Ausenborder, denn der Schalthebel geht extrem schwer. Da ist ein Schmiernippel an der Unterseite, also versuche ich es mit der Fettpresse und an diversen Stellen mit WD40. In der Tat, die Situation verbessert sich. Wir schnorcheln zu den Bommies in der Nähe des Schiffs, doch da ist nichts besonderes und zudem hat es uns zu starke Strömung. Es bläst ja auch noch ganz ordentlich. An der Aussenkante des Atolls branden die Wellen meterhoch in die Luft. Doch im Atoll ist es wunderbar ruhig.

So fahren wir im Dinghy hinüber zum Strand und schlendern in Richtung der südlichsten Ecke. Wir begegnen einem französischen Paar, Laurent und Silvie von der SY Salavida, die mit einer fast neuen Garcia 45 unterwegs sind, einer äusserst robusten Expeditionsyacht aus Alu. Sie leben im Kanton Waadt, nahe Genf und sind eben von einem 4 Jahre dauernden Umweg rund um den Pazifik zurück. Als sie 2022 mit der Rally Grand Large in Französisch Polynesien eingetroffen sind, entschlossen sie sich, die Flottille zu verlassen und nach Norden weiterzusegeln. So drehten sie eine Runde über Hawai nach Alaska, Kanada, die US-Westküste nach Mexico in die Sea of Cortez. Nun sind sie dieses Frühjahr zum zweiten Mal über den Pazifik gesegelt und nochmals in den Marquesas angekommen. Sie erwägen, sich erneut der Rally anzuschliessen und mit den Dutzenden von Outremers weiter nach Westen zu segeln. Schliesslich haben sie ja damals für die komplette Umrundung bezahlt … oder sie fallen der Verlockung eines anderen Umwegs zum Opfer. Mit einem anderen Französischen Paar von der Outremer TKT (für «T’inquiète») gehen wir den Weg weiter bis zum äussersten Rand. Auf einer Seite rollen gewaltige Wellen heran, die über das Aussenriff brechen. Auf der anderen Seite liegt eine himmelblaue Lagune zwischen den Sandbänken. Dies wirkt etwas surreal. Er lässt, die Drohne steigen, um diese Landschaft einzufangen, allerdings versenkt er sie dann mitten in der Lagune aufgrund eines verwechselten Manövers: statt den Gymbal mit der Kamera abzusenken liess er die Drohne hinab … und platsch! Trotz sofort eingeleiteter Wiederbelebungsmassnahmen (Entfernen Akku, Spülen mit Süsswasser, Trockenlegen) war nichts mehr zu retten … Drohne samt Aufnahmen waren futsch. Auf dem Rückweg begegnen wir noch einem einsamen Polynesier, der hier Copra erntet. Er fischt mit einem einfachen Netz, das er in der Lagune ausgelegt hat und scheint dabei recht erfolgreich. Diverse Fische zappeln im Netz, darunter auch ein kleiner Black Tip Reef Shark. Den löst er geschickt heraus und wirft ihn zurück. Was der wohl sonst noch essen wird?

Wir schnorcheln dann ein weiteres Mal bei einem Platz, der als Swedish Reef bezeichnet wird. Beim ersten Versuch ist die Strömung zu stark und wir werden gleich abgetrieben. Am folgenden Morgen ist es völlig windstill und die Lagune liegt spiegelglatt vor uns. Bei der Fahrt im Dinghy können wir den Grund und die Korallenstöcke durch das glasklare Wasser betrachten. Dort angekommen ankern wir das Dinghy im Sand und drehen eine ausgiebige Runde zwischen den Korallenstöcken. Die Sicht ist schlicht grossartig, da das Wasser völlig ruhig und klar ist und zudem die Sonne scheint. Die Korallen wachsen auf einem flachen Schelf von 30-100cm Wassertiefe, wir müssen oftmals den Bauch einziehen. Die Farben sind berauschend, wenn auch das Blau eher Violett ist. Doch sattes Gelb ist auch sehr viel vorhanden und so kam das Riff wegen der Schwedischen Nationalfarben zu seinem Namen.

Am Nachmittag besuchen wir ein auf der anderen Seite der Bucht gelegenes Motu, wo Hubert, ein sogenannter Lebenskünstler als Eremit lebt. Freunde von einer anderen Schweizer SY legten uns dies ans Herz. Leider ist Hubert ausgeflogen. Wir streifen durch sein Kuriositätenkabinett von angeschwemmtem Strandgut, jedoch bald treiben uns die zahlreichen Stechmücken in die Flucht. Den Abend verbringen wir an Bord der SY Salavida mit angeregten Gesprächen über Segeln, Reparaturen, Routen und Politische Systeme. Ein dritter Yachteigner Eric aus Frankreich von der SY Maheo, einer fast werftneuen Allures 47, ist auch dabei. Die Interessen von Eignern mit Alu-Monohulls liegen eben oft nahe beieinander. Sylvie verwöhnt uns mit selbstgebackener Quiche. Mit grossem Interesse verfolgen wir Laurents Erzählungen von Alaska und Kanada … zumindest ich werde regelrecht angefixt. Da will ich auch mal hin! … jedenfalls viel lieber als in den Indischen Ozean und durchs Rote Meer. Mal sehen.

Ein weiterer Versuch, am Swedish Reef zu schnorcheln, scheitert erneut an der zu starken Strömung. So segeln wir quer über die Lagune zurück nach Pouheva, dem Hauptort von Makemo am SE-Pass. Der Passat hat wieder eingesetzt. Im Dorf gehen wir erneut auf die Suche nach Salat, Eiern und Baguettes. Bei letzterem werden wir sogleich fündig. Auch frischen Salat finden wir wieder im Laden. Doch Eier … schwierig. Ein Hinweis bringt uns vor ein verschlossenes Schiebetor und nach Zuruf öffnet eine freundliche Dame … In der Tat, sie verkauft Eier, denn der Bürgermeister hält Hühner. Die letzten drei Schachteln liegen noch da. Wir nehmen gleich zwei und freuen uns über den erfolgreichen Beutezug! Für den Abend reservieren wir gleich noch einen Platz bei der Familie am Pass, die an Wochenenden ein BBQ auflegt. Wir bekommen ein üppiges Festessen vorgesetzt, so üppig, dass wir locker zwei Abende davon leben können. Anstelle eines Tellers kommen Fleisch und Pommes hoch getürmt auf einem Tablett … kein Wunder sind die Polynesier oft übergewichtig.

Makemo NW-Pass

Wir verfolgen am nächsten Moregn das Finalspiel der Eishockey-WM gegen Finnland gebannt am Radio. Leider ist die Bandbreite für ein Fernsehbild zu schwach (oder der Server der GGA Maur überlastet?). Bei der dritten Finalteilnahme an einer WM in Folge müsste es den Eisgenossen doch einmal zum Titel reichen, erst recht zu Hause … doch wie bekannt kam es anders, einmal mehr äusserst knapp mit einem «Sudden Death» in der Overtime. He nun, zumindest sind sie jetzt Nummer 1 der Weltrangliste! So legen wir los in den grauen Tag zum NW-Pass durch das Atoll. Der Wind gestattet uns erneut, die Genua zu setzen und dann gemütlich, lautlos übers flache Wasser zu gleiten. Es regnet allerdings immer mal wieder, selbst der Himmel scheint über diese Niederlage traurig zu sein. Wir finden unseren Ankerplatz vom letzten Jahr wieder, der in einem grossen Sandflecken zwischen Bommies, allerdings auf knapp 20m Wassertiefe liegt.

Am nächsten Morgen besuchen wir das Motu gegenüber und machen einen Rundgang. Im flachen Wasser vor dem Strand sehen wir zahlreiche kleine Reef Sharks, hier ist offenbar ihre Kinderstube. Wir können sie gut durchs klare Wasser beobachten. Wir sammeln Plastikabfälle in grosser Zahl bei unserem Rundgang. Eine ganze Tasche voll nehmen wir mit, hingegen platzieren wir zwei grosse Wassertonnen und Fischerkästen gut sichtbar am Strand. Die haben bei uns an Bord nicht auch noch Platz. Aufgrund der Gezeiten und Strömungsvorhersage versuchen wir den Pass zu schnorcheln. Der liegt allerdings fast eine Meile von unserem Ankerplatz entfernt. So sehen wir erst bei Ankunft, dass immer noch ein sehr starker Strom ausläuft. Wir fahren mit dem Dinghy auf die andere Seite des Passes in die Bucht. Dort liegt ein Floss mit Arbeitern eines in der Nähe geankerten Schleppers. Sie sind mit dem Betonieren neuer Verankerungen für abgebrochene Seezeichen beschäftigt. Wir machen an ihrem Floss fest und wollen eine gute Stunde abwarten, dass die Strömung nachlässt. Sie begrüssen uns freundlich, bieten uns Wasser an und erklären uns ihre Aufgabe. Ein Taucher am Grund platziert das vom Betonmischer in einen Schlauch gekippten Material. Dann werden Armierungseisen mit einem Kompressor eingeschlagen und darauf kommt anschliessend das Seezeichen (… bis es wieder vom Salzwasser weggerostet worden ist).

Wir machen nochmals einen Versuch beim prognostizierten Slack, doch die Strömung ist immer noch beachtlich. Selbst ein Schnorcheln im Innern das Passes entlang des Riffs trägt uns innert kürzester Zeit Richtung offenes Meer. So brechen wir dies ab und kehren zur Shiva zurück. Schnorcheln um den Ankerplatz herum gibt leider nur wenig her. Nochmals eine Stunde später versuchen wir es ein drittes Mal im Pass. Doch immer noch läuft das Wasser aus, immer noch viel zu schnell, um dagegen anzuschwimmen. Wir steigen zurück ins Dinghy, doch nun muckt der Aussenborder. Er stirbt jeweils nach kurzer Zeit ab, und so treiben wir wieder zurück gegen den Pass. Mit ständigem Pumpen am Benzinschlauch kann ich den Motor stockend am Laufen halten. So kommen wir zumindest so weit vom Pass weg, dass ich die letzten 500m dann noch rudernd zurücklegen kann. Glück gehabt? Wohl schon. Doch insbesondere bereitet mit nun der Aussenborder Sorgen, denn er ist unser wichtiges Bindeglied zum Ufer und den Tauchplätzen.

Passage nach Tahanea (51NM, davon 46 gesegelt)

Wir geben unsere Versuche zum Schnorcheln des NW-Pass definitv auf. Nachdem der Wind günstig steht, brechen wir am Abend zu der kurzen Überfahrt ins nächste Atoll auf. Tahanea liegt nur ca 80NM im SW, also recht ideal für den aktuell herrschenden NE-Wind. Wir flitzen mit dem auslaufenden Gezeitenstrom mit über 10kn SOG (Fahrt über Grund) durch den Pass dem Sonnenuntergang entgegen. Es regnet nochmals kurz, doch dann können wir Segel setzen. Wieder richten wir unsere Fahrt auf die gewünschte Ankunftszeit am nächsten Morgen aus, wozu 4kn ausreichen. Also genügt die gereffte Genua vollauf, was uns eine entspannte, ruhige Fahrt durch die Nacht gönnt.

Mit Sonnenaufgang erreichen wir wie geplant Tahanea und laufen den breiten Middle Pass in der Dämmerung an. Das Wasser fliesst uns zwar entgegen, doch nicht allzu stark, sodass wir mit knapp 3kn durch den Pass sicher in die Lagune gelangen. Wir ankern am selben Platz wie im Vorjahr etwas nördlich, in der Nähe des nächsten Passes in flachem, von Korallenstöcken durchsetzten Wasser. Der starke Wind macht den Platz recht unruhig. Für die nächsten Tage ist weiterhin recht starker Wind angesagt, diesmal sogar aus NW (also völlig entgegen des sonst üblichen Passats). Wir schnorcheln den Ankerplatz ab, werden jedoch nicht besonders begeistert davon, auch nicht durch die wie immer anzutreffenden Reef Sharks.

So gehen wir gleich wieder Anker auf und setzen die Genua zu einer Fahrt quer über das Atoll an dessen Südspitze. Wir sind zwar müde von der vorangegangenen Nachtfahrt, trotzdem verlangt das Queren der Lagune weiterhin viel Aufmerksamkeit, um die Bommies rechtzeitig zu erkennen. Doch es erweist sich, dass zumindest hier die elektronische Seekarte recht zuverlässig ist und uns alle Gefahren auf dem Weg korrekt anzeigt. Unser Anker fällt schliesslich gut 2h später in einer paradiesischen Landschaft hinter drei kleinen Inselchen auf dem Schelf in 2.5m Wassertiefe im Sand. Hier lässt sich’s definitiv aushalten!

Tahanea – Three Motus

Der Ort hier ist ja traumhaft: türkisfarbenes Wasser, das in verschiedene Schattierungen von Blau übergeht, der offene Pazifik rauscht draussen ans Riff, kleine Sandinselchen mit Palmen. Aber aktuell nur wenig Sonne und viele Wolken. Doch zumindest liegen wir hier ruhig und da haben sich einige Arbeiten angesammelt. Ich mache mich nach letztem Jahr wieder einmal an die Seewasserpumpe der Maschine. Ein Simmering scheint undicht, Ersatz habe ich aus der Schweiz mitgebracht. Doch dazu muss sie erst ausgebaut werden, was eine äusserst mühsame Angelegenheit ist im engen, stickigen Motorraum. Das Ganze beschäftigt mich einen ganzen Nachmittag, doch schliesslich ist das Ding wieder drin mit neuem Simmering und ein erster Test scheint erfolgreich. Am nächsten Tag kommt der Motorraumlüfter dran. Der ist ganz mit Oel verschmiert, das er wohl über die Zeit aus dem Motorraum angesogen hat. Ein Test an der Batterie zeigt, dass er nicht mehr korrekt funktioniert. Zum Glück haben wir noch vom ersten Eigner einen Ersatz an Bord und ich finde ihn auch gleich auf Anhieb in den Niederungen unseres umfangreichen Ersatzteillagers. Eines der Kabel am Solenoid ist auch gebrochen. Ob dies der Grund ist, dass sich die Maschine nicht mehr mit dem Zündschlüssel abschalten lässt? Ein Test des Solenoids an der Batterie zeigt, dass er noch funktioniert. Also den auch noch neu verkabeln, doch vorerst will es dort immer noch nicht … so ein Ärger! Irgendwann finde ich das dann auch noch.

Jetzt muss noch der Aussenborder ran, denn ohne den geht auch nichts mehr mit Landgang oder Tauchen. Ich baue den Vergaser aus, zerlege und reinige ihn gründlich, blase alle Öffnungen mit WD40 durch und dann zurück in den Motor. Der Test mit einem ersten Landgang zu einem der Motus gelingt, Hurrah! Der Aussenborder startet gut und klingt wieder viel besser. So geht das! Wir vertreten uns die Beine und umrunden das Motu und sammeln den herumliegenden, angeschwemmten Plastikabfall ein. Die Crews der anderen drei Yachten sind an diesem ersten Tag mit Sonne auch auf der Insel und haben ein Feuer gemacht. Da bruzzelt ein schmuckes Stück Rindsbraten auf dem Grill vor sich hin unter der kundigen Aufsicht eines Litauischen Skippers. Wir dürfen kosten und es schmeckt himmlisch! In der Gruppe kommen Menschen aus Litauen, Schweden, England, Frankreich und Kanada zusammen, welch internationale Runde.

Tahanea – The 7

Wir verlegen etwas weiter nördlich zu einem Riff, das in Form einer 7 in die Lagune hineinragt. Dort können wir auf einem Sandfleck umgeben von einem Ring von Korallen ankern. Es wirkt, als lägen wir mitten im Meer, bezaubernd! Das Schnorcheln durch den Korallengarten und entlang der Kante des Riffs am Nachmittag braucht etwas Durchhaltewillen. Erst waren wir noch wenig angetan, doch je weiter wir entlang der Riffkante vordringen wird es immer besser. Die Korallen sind prächtig, vielfältig und bunt. Als wir dann noch die Ecke der 7 erreichen, wimmelt es nur so von Fischen aller Grössen und Farben. Ein Duo von Angelfish führt vor der Kamera ein verspieltes Ballett auf. Später kommt auch noch ein kleiner Eagle Ray vorbei. Leider erschreckt er sich gewaltig und zischt schon bald wieder davon. Wir entdecken auf einem Korallenstock eine Crowne of Thorns, einen schön grauslig anzublickenden Art von Seestern, die jedoch Korallen auffrisst. Besonders im Barrier Reef hat diese Spezies grossen Schaden angerichtet. Deren Dornen sind lang und giftig, also nicht einfach um ihr beizukommen. Hier ist es zum Glück nur eine einzelne, hoffentlich kommen ihr die lokalen Fressfeinde wie Triggerfisch bei. Man könnte sie recht einfach mit der Injektion von Essig erledigen, doch woher eine geeignete Injektionsnadel?

Wir wiederholen das Schnorcheln am nächsten Morgen und sehen nach langer Zeit auch wieder mal eine Schildkröte. Der Ort war auf jeden Fall einen Besuch wert. Vom Motu aus versuche ich wieder einmal seit langem unsere Drohne zu starten. Sie funktioniert und ich bekomme sie auch wieder zurück zum Landeplatz. Doch braucht es noch etwas mehr Übung.

Tahanea – Crescent Bay

So verlegen wir nochmals etwas weiter nach Norden an einen weiteren Ankerplatz mit einem viel versprechenden Riff. Der Ankerplatz ist einmal mehr fantastisch, wir liegen auf 4m Sand mit diversen Korallenköpfen in sicherem Abstand um uns herum. Eine erneuter Versuch mit der Drohne dokumentiert unseren wunderbaren Ankerplatz. Schon Makemo hatte uns gezeigt, dass in den Tuamotus nicht nur die Pässe sehenswert sind, doch dies hier toppt nun alles. Kann’s noch besser werden?

Das Schnorcheln am Crescent, also einem Arm des Riffs, der weit in die Lagune hineinragt und bei Niedrigwasser aus dem Wasser hinausragt, ist wirklich grossartig. Wir sind ja mittlerweile recht wählerisch geworden, haben auch schon einiges gesehen, doch hier ist’s richtig gut. Es hat eine Vielfalt von Plate- und Staghorn-Corals in wunderbarem Zustand. Und dann die zahllosen Fische hier in der Bucht. Grosse Schwärme von Parrotfish ziehen vor uns her. Wir treffen auf einen Schwarm mit recht grossen, silbernen Fischen an der Oberfläche, die sich durch uns kaum beirren lassen. Auch dass ein Shark in nächster Nähe vorbeizieht stört sie offenbar nicht. Speziell sind ja auch die zahllosen Clams, Muscheln, die in die Korallenstöcke eingewachsen sind, so dass nur noch ihr gewellter Rand herausragt, aus dem wulstige, bunte Lippen hervorgucken. Bei Annäherung ziehen sie diese zurück und schliessen die Muschel… faszinierend! Und dann die farbenprächtigen Angelfish, die oft als Paar unterwegs sind. Wie die das nur schaffen, sich trotz ihrer Höhe jeweils zwischen den Korallen zu verstecken. Damit sie etwas genau erkennen können, müssen sie sich zur Seite drehen und geben so ein gutes Fotomotiv ab mit voller Breitseite. Leider finden wir auch die Überreste eines Plastiksacks, die sich um einen Korallenstock verfangen hat. So wird anschaulich, dass ein in Amerika achtlos fortgeworfener oder fortgewehter Plastiksack schliesslich irgendwo im Pazifik wieder angeschwemmt wird. Wir können die Koralle halbwegs davon befreien und fügen auch diesen Plastik unserer immer umfangreicher werdenden Sammlung an Bord hinzu.

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