Fakarava – Wall of Sharks!

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Einer der Hauptgründe, all den Aufwand und die Kosten mit der Anschaffung und der Installation eines Kompressors hier an Bord zu betreiben, war das Tauchen am Südpass von Fakarava mit seiner als Welt-Naturerbe der UNESCO geadelten Wall of Sharks. Nach dem letzten Jahr war ja klar, dass wir unbedingt nochmals hierhin wollten. Und, oh Mann … dies war schlicht atemberaubend! Aber wie üblich, alles schön der Reihe nach.

Passage von Tahanea nach Fakarava (61NM, davon 57 gesegelt)

Nach einem erneut ausgiebigen Schnorcheln in der Crescent Bay verlegen wir am Mittag hinüber auf die NW-Seite des Atolls Tahanea in die Nähe der drei Pässe. Ein freundlicher SE-Wind gestattet uns, unter Segeln die Lagune zu durchqueren, wobei einmal mehr Brigitt vorne am Bug im Ausguck sitzt und nach den Bommies späht. Eigentlich erhoffen wir uns, bei Ankunft im NW-Pass zu schnorcheln, doch der Wind baut einen sehr unangenehmen Schwell am Ankerplatz auf. Wir denken schon gar nicht daran, unter solchen Verhältnissen den Aussenborder hinüberzuwuchten und bleiben an Bord. Selbst ums Boot herum ist es viel zu rollig, um ein entspanntes Schnorcheln zu gestatten.

So gehen wir dann am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang wieder los und fahren durch den NW-Pass hinaus ins offene Meer. Der achterliche Wind gestattet uns erneut zu segeln. Die relativ kurze Distanz bis zum S-Pass von Fakarava und der erwartete Zeitpunkt für das Kentern des Gezeitenstroms am Nachmittag um 16h verlangen von uns eine Fahrt von knapp 6kn. Dies erreichen wir mit voller Genua bei gut 15kn Wind locker, ja wir sind meist zu schnell. Also reffen wir, um nicht zu früh einzutreffen und draussen vor dem Pass in der offenen See warten zu müssen. Ich bringe die Angel aus und hoffe auf einen Tuna… und in der Tat rauscht die Leine nach kurzer Zeit kräftig aus. Hoffentlich nichts ganz grosses, … ? Nach einigen Hundert Metern Silk stoppe ich die Trommel sanft ab bis es ruckt, … doch dann ist der Fisch halt doch wieder weg. Zum Glück ist zumindest der Köder noch dran. Schade, hätte wirklich sehr gut gepasst.

Wir erreichen die Einfahrt zum Pass schon etwas früher kurz vor 15h, doch dies sollte noch gehen. Unter Maschine können wir in den Pass einfahren, der Strom kommt uns breit und ruhig entgegen mit etwa 2-3kn. So schaffen wir es gut in die Lagune hinein und steuern am Dive Center vorbei um das Riff herum zum Ankerplatz, der etwas weiter im Norden liegt. Zu unserer Überraschung sind dort gleich zwei Moorings noch frei, also packen wir diese Gelegenheit und machen an einer davon fest. Dies klappt auf Anhieb gut. Die Mooringleine sieht gut, ja nagelneu aus. Eigentlich wäre es ratsam, danach auch noch den Block resp. Leine oder Kette darunter zu inspizieren. Ich lasse es angesichts der Windprognose für die nächsten Tage bleiben, denn es soll praktisch windstill werden.

Tetamanu und Passe Tumakohua (Fakarava S-Pass)

Wir haben letztes Jahr schon gegen 10 Tauchgänge in diesem Pass gemacht und wissen daher recht genau, was uns erwarten könnte, respektive worauf wir uns nun freuen dürfen. Allerdings wird dies nun zu unserem ersten Tauchgang der Saison, also ist die Anspannung noch etwas grösser. Erst muss das ganze Material zusammengestellt werden: Wetsuit, Jacket, Gewichte, Flaschen, Leine, Kamera mit Unterwassergehäuse, Tauchcomputer, … neben dem üblichen fürs Schnorcheln. Das Timing mit den Gezeiten ist recht ideal: jeweils am späteren Morgen endet der einlaufende Gezeiten-Strom, also sollten wir jeweils ca. 1.5-2h vorher unseren Tauchgang beginnen. So werden wir bei einem Start aussen am Pass von der Strömung in die Lagune zurück getragen. Zudem sorgt das vom offenen Meer eingelaufene Wasser für relativ klare Sichtverhältnisse. Wenn zusätzlich die Sonne aus einem wolkenlosen Himmel scheinen würde und ganz wenig Wind herrscht, dann ists richtig ideal.

Der erste Tauchgang gelingt gut, auch wenn wir noch mit der Ausrüstung zu kämpfen haben. Am Einstieg hat’s ordentlich Wellen und der Wind bläst. Wir brauchen beide unsere Zeit, bis wir uns ins Jacket gezwängt haben. Ich war mit den Gewichten zu optimistisch und muss nach dem ersten Versuch abzutauchen nochmals eines aus dem Dinghy holen. Uns treibt die Strömung voneinander weg, also heisst es erst wieder zueinander finden, bevor wir den Abstieg einleiten können. Doch dann stellt sich dieses wunderbare Gefühl vom schwerelosen Schweben ein und wir beginnen über den dichten Korallengarten hinwegzugleiten. Man muss die Flossen kaum einsetzen, die Strömung erledigt dies von alleine. So bleibt einzig das Halten der Tiefe, um ein Berühren der Korallen zu verhindern und das Beobachten, was einem so entgegen kommt. Schon der erste Tauchgang vermag uns zu flashen. An etwa drei Stellen kommen wir durch dichte Gruppen von Riffhaien hindurch, die sich durch unsere Anwesenheit kaum stören lassen. Wir treiben oftmals direkt auf einen Hai zu, der dann in allerletzter Sekunde doch noch abdreht. Graue, Weiss- und Schwarzspitzen Riffhaie leben in sehr grosser Zahl in diesem Pass, man spricht von ca 700. Tagsüber sind sie nicht besonders aktiv, sondern schwimmen elegant, mit unmerklichen Bewegungen in der Strömung. Leider verdecken an diesem Tag noch einige Wolken gelegentlich die Sonne, sodass es auf 26m halt schon relativ dunkel wirkt und die Farben nurmehr schlecht zur Geltung kommen.

Wir wiederholen an den kommenden drei Tagen diese Tauchgänge, jeweils immer um etwa 30′ nach hinten verschoben mit dem Lauf des Mondes. Unser Timing passt wirklich gut, wir können dies Mal um Mal besser geniessen. Während ich jedoch nach jeweils gut 30′ meine Flasche bis unter die Reserve leer habe, schafft es Brigitt nochmals gegen 10′ länger unten zu bleiben und dann immer noch mit einer halb vollen Flasche aufzutauchen … so ist zumindest ihre Flasche auch in der halben Zeit vom Kompressor wieder gefüllt. Mit der ganzen Ausrüstung ist unser Dinghy auch ziemlich am Anschlag. Der Ausenborder mit 6PS schiebt uns nur im Schneckentempo voran, während andere übers Wasser gleiten … doch er machts und wir erreichen unser Ziel recht zuverlässig. Am dritten Tag treffen wirklich alle Komponenten ideal zusammen und wir geniessen einen unserer besten Tauchgänge bisher in diesem Pass.

An einem der Tage fahren wir nach dem Tauchgang und dem Ausladen der Ausrüstung beim Schiff nochmals mit dem Dinghy zum Pass zurück. Diesmal schnorcheln wir entlang der Oberfläche bei fast vollkommen ruhigem, spiegelglattem Wasser dem Riff entlang. Welch Unterschied bei den Farben gegenüber dem Tauchen auf 25m! Das Riff leuchtet, wir kommen an zahlreichen, grossen Fischschwärmen vorbei und auch hier tummeln sich viele Riffhaie in diversen Grössen. Faszinierend ist jeweils zu beobachten, wie diese in ganz flachem Wasser knapp über das Riff hinweg gleiten können, wobei dann eben die für sie kennzeichnende Rückenflosse oben herausragt. Dieser Ort ist wirklich einer der besten zum Tauchen und Schnorcheln, die wir in unserem Leben und auf unserer Reise mit der Shiva bisher gesehen haben.

Rotoava

Unsere Vorräte neigen sich etwas dem Ende zu, insbesondere Frischwaren und auch das Benzin für den Aussenborder wird knapp. Beide Kanister sind jetzt leer, kein Wunder bei den langen Fahrten zu den Tauch- oder Schnorchelplätzen. Also durchqueren wir am Freitag nach dem morgendlichen Tauchgang die Lagune von Fakarava nach Norden zum Hauptort Rotoava. Der liegt 28NM entfernt, wir brauchen also knapp 5h dazu! Gut ist dieser Weg kartiert, wir brauchen nicht ständig Ausguck nach Bommies zu halten. Da keinerlei Wind geht, schiebt uns die Maschine ruhig und zügig übers spiegelglatte Wasser der Lagune. Wir schaffen es, gerade noch vor Ladenschluss einzutreffen und bekommen eine schöne Auswahl an frischem Gemüse und Früchten, ja sogar grünen Salat (wenn auch zu knapp 6CHF!). Welch ein Leckerbissen!

Am Abend lassen wir es uns gut gehen und besuchen endlich einmal das beste Restaurant am Platz, die Hirinaki Lounge. Nach zwei vergeblichen Versuchen im letzten Jahr sind wir ja gespannt auf deren Küche. Wir werden nicht enttäuscht: wunderbar zubereitete, rosa Magret de Canard (Entenbrust) mit Kartoffelgratin verwöhnen unseren Gaumen. Nach Vorspeise und Dessert sind wir gut gesättigt und überzeugt, dass es diese etwas längliche Motorbootfahrt gerechtfertigt hat.

Am anderen Morgen um 6h mache ich mich mit dem Dinghy auf den Weg, um bei der Bäckerei einzukaufen. Dort gibts frische, knusprige Baguettes, Croissants, Pain au Chocolat, Pain au Raisin und frische Quiches. Der kulinarische Höhenflug findet damit seine Fortsetzung! Nun muss ich nur noch Benzin für den Aussenborder finden. Am Vorabend lag ja noch das Versorgungsschiff am Steg, also sollte dies doch an der Tankstelle klappen. Aber, weit gefehlt! Mit Hundeblick entschuldigt sich der Inhaber, Benzin und Diesel seien frühestens wieder in zwei Wochen erhältlich. Seltsam auch, dass Gefriertruhen und Kühlschränke im Tankstellenshop fast leer sind, während bei der Bäckerei ein breites Angebot vorlag. Ich versuche, bei einem Motorboot-Besitzer, der aus einem 200lt Fass sein Schiff am Quai betankt, zumindest 5lt für meinen kleinen Kanister zu bekommen. Er erfüllt mir den Gefallen und ich vergüte ihm den üblichen Preis aufgerundet voller Dankbarkeit. Im Gespräch erfahre ich, dass er mit seinem 200PS Motor innert einer Stunde am S-Pass sein kann, dafür aber auch 150lt für Hin- und Rückweg verbrennt (sic!). Bei solchen Mengen frage ich ihn gleich nach, ob er mir auch noch den 10lt Kanister füllt, was er gerne macht. Glück gehabt! Damit kommen wir sicher bis Tahiti durch.

Hirifa

Wir fahren denselben Weg wieder zurück zum S-Pass, also erneut 5h unter Maschine über spiegelglatte See. Der Horizont lässt sich kaum ausmachen, das Blau des Himmels geht einfach irgendwo ins Blau der Lagune über. Bei Ankunft können wir nochmals das Gezeitenfenster ausnutzen, um den Pass auch noch auf der anderen Seite zu schnorcheln. Für einen weiteren Tauchgang wäre es zu stressig resp. zeitlich zu knapp geworden. Als wir unser Schnorcheln abschliessen, müssen wir uns schon recht ordentlich gegen die auslaufende Strömung abmühen. Doch es hat sich einmal mehr gelohnt!

Wir übernachten vor Anker in Tetamanu, in der Hoffnung allenfalls am anderen Morgen nochmals zu tauchen. Doch wir wachen im strömenden Regen auf. Da nun für den Abend der Durchzug einer Wetterfront angekündigt ist mit Sturmwinden, die bis zum Montag Abend anhalten sollen, verlegen wir nach Hirifa, an die NE-Ecke des Atolls. Dieser Ankerplatz ist extrem gut vor Wetter geschützt, bietet viel Platz und einen sandigen, gut haltenden Ankergrund, sodass man jedes Wetter hier überstehen kann. So lassen wir dies erst Mal vorbeiziehen und schauen, wann und was nachher kommt. Am Ankerplatz treffen wir die Schweizer Crew der SY Jetlag, Gerard und Brigitte, die wir im Vorjahr auch hier in Fakarave kennen lernten. Sie leben auf ihrem Schiff, einer Amel Ketsch, in Französisch Polynesien und pendeln zwischen den Archipelen Marquesas, Tuamotus und Sociétés.

Wie angekündigt trifft am Sonntag nachmittag die Front hier ein mit ordentlich Wind und Regenschauern. Wir liegen ja gut und brauchen uns keine Sorgen zu machen. Der Wind hält die ganze Nacht durch an und sollte wohl erst Montag Nacht dann etwas abflauen. Mal sehen, ob wir am Dienstag schon wieder wegkommen oder nochmals einen Tag anhängern müssen. Tahiti und Moorea mussten am Freitag/Samstag wegen des hohen Seegangs dicht machen!

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