Taha’a – Kulinarik und Heiva

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Die Insel Taha’a liegt im Norden von Raiatea innerhalb desselben umgebenden Riffgürtels. Von Huahine aus sind es nur gerade 25NM, ihre Silhouette war für uns schon vom Ankerplatz aus zu erkennen. Raiatea lassen wir weg, wir sind im Rückstand auf unseren Zeitplan.

Passage nach Taha’a (28NM, S 24, M 4)

Aufgrund der Windprognose drängt sich eine Überfahrt auf, denn später ist Starkwind und danach mehrere sehr windwarme Tage angesagt. Bei Losfahrt sehen wir gut 10kn achterlichen Wind, was sich mit der Genua nur sehr unruhig segeln lässt. Die Wellen sind auch relativ hoch, und so fällt die Genua bei jeder Welle wieder ein und schlägt danach gegen das Rigg. So setzen wir wieder einmal den Gennaker und bekommen eine angenehme ordentlich schnelle Fahrt zwischen 5-6kn hin.

Nach und nach frischt der Wind auf und liegt dann immer rund um 15kn, manchmal auch etwas höher. Mir geht durch den Kopf, dass wir so wohl auch mit der Genua wieder segeln könnten und den Gennaker besser schonen sollten. Wir machen uns daran, den Gennaker einzurollen. Kaum habe ich die Halsleine dicht gezogen und am Roller aufgehängt und will mit dem Einrollen beginnen, gibts einen unmerklichen Ruck und der Gennaker reisst vom Unterliek her um den Hals, dann in der ganzen Länge das Vorliek hinauf bis zum Kopf entlang der bereits einmal geflickten Stelle. Mit Mühe bekommen wir die Fetzen wieder auf die Rollanlage gewickelt, es ist ein trauriges Bild… das lässt sich nun definitiv nicht mehr reparieren. Unter Genua kommen wir jedoch gut voran, im Rückblick wäre wohl ein früheres Einrollen angezeigt gewesen.

Die nächsten Monate müssen wir also ohne Gennaker auskommen, schade. Auf der ToDo-Liste des letzten Winters stand auch ein Ersatz des Gennakers, doch opferte ich diesen Punkt schliesslich zugunsten des Tauchkompressors. Doch der Gennaker hatte mit uns sicher eine gute Zeit und kam auch recht oft zum Einsatz. Doch mit nun über 20 Jahren war er auch am Ende seines Lebenszyklus angelangt. Früher oder später musste dies so kommen.

Bei Ankunft kämpfen wir dann beim Einrollen der Genua, da sich nun die Rollanlage des Gennakers darin verwickelt. Nach mehreren Anläufen bekommen wir es dann doch hin, kurz bevor wir unter Maschine durch den Passe in die Lagune von Tahaa einfahren können. Gleich neben dem Passe liegt ein schönes Ankerfeld auf dem flachen Schelf hinter dem Riff. So ankern wir in klarem Wasser in 1.5m Wasertiefe.

Am nächsten Morgen nehme ich nochmals einen Anlauf, das Abstellen unserer Maschine zu reparieren. Nachdem ich das Solenoid getestet hatte und den defekten Draht wieder neu gespleisst hatte, musste das Problem also an anderer Stelle liegen. Nach Recherche und gütiger Unterstützung der KI wurde mir der Hinweis vermittelt, dass ein Start/Stop-Relais das Solenoid ansteuert. Also baue ich das Schalttableau an der Steuersäule aus und dahinter lokalisiere ich tatsächlich ein Relais. In der Box mit den Ersatzteilen finde ich dann zu meiner grossen Freude gleich einen passenden Ersatz und tausche es also aus. Und, … es funktioniert! Zumindest ein Aufsteller nach der Betrübnis über den verlorenen Gennaker.

Baie de Haamene

Da es eher bewölkt ist lohnt schnorcheln nicht und in Anbetracht eines angekündigten Schlechtwetters für den Folgetag verlegen wir in die tiefe Bucht von Haamene. Die führt über 3NM ins Land hinein und bietet zuhinterst eine von allen Seiten geschützte Bucht. Wir ankern dort ruhig in 5m Tiefe und gehen an Land. Dort können wir in einem überraschend gut bestückten Supermarkt einkaufen und etwas Abfall bei der Gemeinde entsorgen. Dann gönnen wir uns ein delikates Mittagessen im Restaurant Tahaa Maitai, das gleich am Steg liegt, wo auch die kleinen Shuttles von und nach Raiatea anlegen. Der Chef Bruno stammt aus Frankreich (Normandie) und nach Stationen in diversen Hotels brachte ihn die Liebe in die Heimat seiner Frau. So betreibt er hier ein kleines, feines Speiselokal und zaubert Köstlichkeiten auf den Tisch. Wir sind richtig geflashed von zartem Entrecôte und Carré d’Agneau, was für ein unerwarteter, unverdienter Genuss!

Zurück an Bord machen wir uns daran, die Überreste des Gennakers von der Rollanlage zu puhlen. Von Hand wickeln wir den Stoff ab, der in mehreren Teilen irgendwie verwickelt ist. Nachdem die Rollanlage frei ist, kann ich mit viel Mühe die festsitzenden Schrauben am Kopf lösen und so weitere Kugeln auf dem Torsionskabel nachfüllen, sodass diese bis nach oben reichen. Damit wäre zumindest die Rollanlage für einen weiteren Einsatz bereit.

Am nächsten Tag ist es bewölkt, vom Wind bekommen wir in der Bucht kaum etwas mit. Wir unternehmen eine Wanderung hinauf zu einem Col mit schöner Aussicht über die Bucht und den Ort Haamene, sowie hinüber auf die andere Seite der Insel. Der Weg führt durch dichten Regenwald, wobei an mancher Stelle umgestürzte Bäume den Weg versperren. Gut finden wir auf dem Rückweg eine Abkürzung, sodass wir das Meiste davon nicht ein zweites Mal überklettern müssen. Bei der Rückkehr lassen wir uns gleich nochmals von Bruno’s Kochkünsten verwöhnen. Wir erfahren dann, dass am Samstag Abend in Patio, im Norden der Insel eine Aufführung im Rahmen der Heiva stattfinden werde. Da wollen wir also unbedingt hin!

Patio – Heiva i Taha’a

Unter Maschine verlegen wir am nächsten Tag also in den Norden von Tahaa, es ist praktisch windstill und sonnig. Wir ankern aussen am Schelf im Sand, gegenüber des Örtchens. Doch nach kurzer Zeit kommt ein Fischer vorbei und meint, dass wir ausserhalb der erlaubten Ankerzone liegen (es geht um wenige 100m). Als er hört, dass wir zur Abendveranstaltung wollen, weist er uns an, doch vor dem Ort zu ankern, dies sei auf 12m Tiefe möglich. Nun denn, wir verlegen also hinüber zum Dorf, doch dort lässt sich nirgends ein Ankerplatz in vernünftiger Tiefe finden. Schliesslich lassen wir in 20m Tiefe 60m Kette fallen, nachdem wir beim ersten Versuch noch zu nah an die ufernahen Korallenstöcke kamen. Doch erneut taucht derselbe Fischer auf und meint, hier sei eben auch nicht gut, denn die Bewohner am Ufer fühlten sich gestört (…bei einigen 100m Entfernung). Eigentlich meinte er wohl sich selber, denn dort ist er auch zu Hause? So ankern wir also ein weiteres Mal um, diesmal näher bei der Hafeneinfahrt, jedoch wieder in 20m Tiefe. Brigitt ist langsam ziemlich genervt von den aufwändigen Ankermanövern, doch zumindest ist nun die Kette auf der ganzen Länge wieder einmal gewaschen und der in der Bucht von Haamene eingesammelte Schlamm aus dem Ankerkasten gespült.

Wir haben unsere kanadischen Freunde von der Salish Dragon auch informiert über diesen Heiva Abend, so sind sie am selben Tag auch von Huahine herübergekommen und können dann auf Anhieb an der richtigen Stelle ankern. An Land bekomme ich Billete für den Abend und einen ersten Vorgeschmack, denn es läuft gerade die Hauptprobe. Wir gehen nach Eindunkeln zusammen an Land. Rund um das grosse Chapiteau ist ein Festgelände aufgebaut mit Spielen und Ständen. So lassen wir es bei einem polynesichen Abendessen gut gehen, bevor wir unsere Plätze auf der Tribüne einnehmen.

Die Veranstaltung wird durch nicht enden wollende Reden und Verdankungen eingeleitet, alles auf Polynesisch und für uns abgesehen von den bekannten Wörtern Iaorana und Maruuru unverständlich. Die beiden Tanztruppen kommen von der Nachbarinsel Bora Bora, begleitet von den dortigen Honorationen, die von den hiesigen gebührend und ausufernd begrüsst werden, mit entsprechender Gegenrede. Es will nicht enden. Doch als dann die Perkussionstruppe loslegt, dann vibriert der ganze Körper mit. Es ist wirklich ohrenbetäubend, lauter als wir es in Papeete unter offenem Himmel erlebt hatten. Und dann kommen die Tänzerinnen und Tänzer mit ihren kunstvollen Kostümen, hoch getürmtem Kopfschmuck, einer eleganten Anmutigkeit und breitem, ständigen Lächeln im Gesicht. Das Wippen der Hüften bei den Frauen und Mädchen wird durch die Kostüme noch speziell hervorgehoben, die Männer wackeln wild mit den Knien. Ich weiss jeweils nie, wo ich nun hinschauen soll, denn es ist einfach schlicht so viel los. Die Aufführung dauert schliesslich bis 23h. Wir bekommen die Gelegenheit mit einigen der Tanztruppe nach Ende zu sprechen und sie posieren auch bereitwillig für uns. Sie bedanken sich gar für unseren Besuch, denn Touristen hat es hier praktisch keine im Festzelt. Das Ganze ist sehr authentisch und gefällt uns ausnehmend gut. So erfahren wir dann auch, dass am kommenden Samstag nochmals ein Auftritt in Bora Bora folgen werde. Den haben wir uns notiert!

Motu Tautau

Nach einer kurzen Nacht verlegen wir ein paar Meilen nach Süden und ankern erneut auf einem flachen Sandschelf in 1.5m Wassertiefe. Einige hundert Meter entfernt liegt ein Luxus-Resort mit ins Wasser gepflanzten Bungalows, wo die Übernachtungspreise bei 1000USD beginnen und nach oben offen zu sein scheinen (und dies noch nicht einmal mit einem Abendessen!). Der Ankerplatz ist gegenwärtig nicht als offiziell vermerkt, doch in den Karten, die den Charterern mitgegeben werden ist er verzeichnet. Und von denen hat es jede Menge, die jeweils kurz für die Nacht einlaufen, viel Wirbel veranstalten und sich am anderen Morgen wieder verziehen.

Ohne Wind und mit etwas Sonne ist das Wasser kristallklar, sodass man jedes Detail auf dem Grund erkennen kann. Wenn wir Nachts ein blaues Licht ins Wasser hängen, lockt dieses Fische an und es zeigen sich auch diverse Stingrays und Sharks. Doch anfangs ist es noch bewölkt und nieselt gar etwas. Wir fahren mit dem Dinghy gut eine Meile hinüber zum Ferry-Dock und nehmen die Velos mit. Entlang der Küstenstrasse unternehmen wir einen Ausflug bis nach Patio und wieder zurück. So kommen wir zumindest zu etwas Bewegung. Am anderen Morgen ist es recht sonnig, so versuchen wir einen Spot, an dem Mantas zu sehen seien. Wir fahren mit dem Dinghy mehr als eine Meile hin, doch werden dafür nicht belohnt. Es hat zwar eine ansehnliche Landschaft von Korallen in der Bucht, jedoch nur wenig Fische und erst recht keine Mantas. Auf dem Rückweg beginnt der Aussenborder zu mucken, überhitzt und stellt immer wieder ab. Wir schaffen es gerade noch zurück bis zur Shiva.

Den Rest des Tages verbringe ich mit der Suche nach der Ursache für die Aussetzer des Aussenborders. So bekommt er vorsorglich einen neuen Benzinfilter. Nach der Demontage des Schafts zeigt sich, dass das Steigrohr, über das das Kühlwasser in den Motor hinaufgepumpt wird, ganz oben abgebrochen ist. Hingegen sieht die Seewasserpumpe und insbesondere der Impeller noch einwandfrei aus. Ärgerlich… so ein Teil findet sich nicht einfach so. Die Yamaha-Vertretung in Tahiti meint es in 4-6 Wochen zu bekommen. So lange wollen wir sicher nicht warten. Also heisst es improvisieren. Mit Schlauchstücken vom Wassermacher und einem etwas grösseren Plastikschlauch als Manschette bastle ich ein Provisorium. Recht aufwändig wird das Ganze, weil der Motor von der unteren Einheit mit dem Schaft getrennt und dann angehoben werden muss. So kann das Wasserrohr dann von oben wieder eingeführt werden, damit es den Motor mit Kühlwasser versorgt. Eine neue Dichtung habe ich natürlich auch nicht und die sieht sehr kompliziert aus… also versuchen wirs erst nochmals mit der alten. Und dann ist da noch ein zünftiges Stück des Gehäuses beim Schalthebel offensichtlich wegkorrodiert. Jahrelang hatte ich den Motor ohne Anode betrieben, bis ich vor unserer Losfahrt in Griechenland darauf aufmerksam wurde. Nun, das hat sich wohl gerächt…

Im Verlauf des nächsten Morgens habe ich den Aussenborder wieder zusammengebaut. Am längsten quäle ich mich damit herum, die Antriebsstange vom Schaft wieder passend in den Motor hineingesteckt zu bekommen. Er läuft … schön. Aber er kühlt immer noch nicht … schlecht. Wasser tropft aus dem Gehäuse, … zumindest funktioniert die Seewasserpumpe.

Gut ist die Salish Dragon in der Nähe. Ich bekomme ihr Dinghy ausgeliehen um hinüber ans Ferry Dock zu fahren. Coco hat sich angekündigt, aber ob er wirklich auf dieser Fähre ist bleibt bis zuletzt ungewiss. Seine letzte Nachricht kam aus San Francisco vor Abflug und in Papeete hatte er knapp 2h um vom Flieger durch den Zoll bis zum Fährhafen zu gelangen. Knapp. Als ich die Fähre einlaufen sehe fahre ich mit dem grösseren, schnellen Dinghy mit 20PS Motor hinüber. Schön wärs, doch er wiegt auch mehr als doppelt so schwer wie unserer… In der Tat winkt Coco dann von Bord der Fähre, der Aufwand hat sich gelohnt. Er bringt uns jede Menge Ersatzteile und neue Ausrüstung für die Shiva aus der Schweiz mit, wunderbar! Leider war der Ausfall des Aussenborders zu knapp, dass dies auch noch gereicht hätte.

Mittlerweile ist auch die SY Wildmaa auch an diesem Ankerplatz eingetroffen. Wir trafen sie erstmals im Mai in den Marquesas auf Ua Huka. So verbringen wir nochmals zwei kurzweilige Abende in guter Gesellschaft, einmal bei der Salish Dragon (natürlich mit einer weiteren Runde Brändi Dog) und einmal der Wildmaa. Tagsüber unternehmen wir einen Schnorcheltrip zu einem hochgerühmten Korallengarten in der Nähe des Resorts, erneut im Dinghy der Salish Dragon mit Tracey. Steve muss leider aussetzen und seinen Rücken kurieren, den er sich am Vortag beim herumhieven von Dieselkanistern ruiniert hatte. Der Schnorchelplatz ist interessant, jedoch eher bescheiden was die Korallen angeht. Diese sind grossflächig von einer Algenart überwachsen (Turbinaria), die wie ein grosser Pilz aussieht. Zumindest hat es recht viele Fische und die sind offenbar so an Besucher (und Füttern) gewöhnt, dass sie sich neugierig nähern. Ach, einmal mehr: Man muss recht viele Frösche küssen bis man wieder mal einen Prinzen erwischt.

Am Nachmittag gibts nochmals einen Veloausflug an Land hinüber in den uns von vorher bekannten Ort Haamene, nämlich zur Post. Eine Dokument mit unserer physischen Unterschrift muss zurück in die Schweiz. Es mutet fast etwas anachronistisch an, dass in unserer heute derart stark digitalisierten Zeit manchmal immer noch physische Unterschriften auf Papier gefordert werden (und dann müssen sie später in einem weiteren Schritt dann auch noch notariell beglaubigt werden). Mal sehen, wie lange die Zustellung dauern wird. Jedenfalls wird dies zu einem der denkwürdigsten Anlässe unserer Reise durch den Pazifik werden. Davon dann ein anderes Mal.

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