Moorea – Kombi von Tuamotus und Marquesas!

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In der Abendsonne lockte Moorea, die Nachbarinsel von Tahiti, jeweils mit ihrer spektakulären Kulisse. Diese war unser nächstes Ziel, das verheissungsvoll mit einer Kombination von Atoll mit seinem umgebenden Riff und grüner, üppiger Vegetation und szenischen Bergen lockte. Und damit erfüllte es unsere Erwartungen weitgehend!

Passage nach Moorea (21NM, davon 8 gesegelt)

Eigentlich sind es ja gerade einmal 15NM hinüber nach Moorea, also ein Katzensprung. Doch das Ganze musste etwas erduldet werden. Erst galt es eine recht weite Strecke vom Airport Anchorage innerhalb der Lagune von Tahiti zwischen Insel und umgebendem Riff zu fahren, bis man südlich der Marina Taina den Passe hinaus ins offene Meer erreichte. Die hohen Berge der Insel deckten den Wind ab, also ging es unter Maschine voran, vorbei an den zahlreich geankerten oder an Moorings vertäuten Yachten und im dichten Ausflugsverkehr auf dieser Wasserstrasse. Aussen am Passe brachen eindrücklich hohe Wellen, die eine Gruppe von Surfern mehr oder weniger gekonnt ritten.

Längere Zeit blieben wir in der Abdeckung der Insel Tahiti Nui, bis plötzlich der Wind gleich kräftig mit gut 20kn einsetzte. So lässt es sich auch allein mit der Genua segeln, vor allem wenn der Wind achterlich einfällt. Bereits vorher herrschte eine richtig unangenehme Welle von über 2m, in der die Shiva heftig rollte und unter Deck alles durcheinander wirbelte, was nicht gut verstaut oder befestigt war. Diese hohe See kam wohl von den kräftigen Tiefs im Südpazifik, von denen wir hier sonst nur am Rand betroffen sind. Jedoch bekommen wir nun deutlich kühlere Luft ab, die Temperaturen sind weit unter die bisher üblichen 30° gesunken und erreichen tagsüber kaum noch 25°.

Brigitt leidet unter dem Seegang, selbst ich muss mich zusammenreissen. Doch zum Glück ist es ja nicht weit … direkt vor dem Passe rollen wir die Genua und laufen unter Maschine durch den Passe in die Lagune im SW von Moorea. Da hier nicht diese grossen Wassermassen wie in den Tuamotus in der Lagune gefangen sind, kann der Durchgang eigentlich jederzeit befahren werden, denn der Gezeitenstrom erreicht kaum mehr als 2kn. Wir finden einen schönen Ankerplatz gleich am Rand des Sandschelfs auf ca. 2m Wassertiefe und liegen hier wunderbar ruhig. Die Szenerie mit den Bergen hinter uns ist überwältigend, vor uns liegt eine türkisfarbene Lagune und draussen am Riff brechen gewaltige Wellen, deren Rauschen die permanente Geräuschkulisse abgibt.

Baie de Haapiti

Nach den Tuamotus (und dem schlechten Wetter auf Tahiti) verspüre ich ein richtiggehendes Reissen nach einer Wanderung … also machen wir uns am nächsten Morgen gleich auf den Weg. Aber halt, als wir eben ins Dinghy steigen wollen beginnt es zu regnen. Nun denn, wir verschieben dies vorerst um zwei Stunden. Wie erhofft klart es danach auf und so kann es los gehen.

Mit dem Dinghy geht’s hinüber an das kleine Dock des Dorfs Haapiti. Entlang der Strasse müssen wir erst ins Nachbardorf Vaiapae hinüber, wo der Weg dann in ein üppig grünes Tal hineinführt. Wir kommen an einem kleinen Supermarkt vorbei, sodass ich mir gleich ein ofenfrisches Baguette sichern kann. Diese will ich dann nach unserer Rückkehr mitnehmen. Der Weg folgt einer Fahrstrasse ins Tal hinein. Wir wollen zum Col des Trois Cocotiers hinauf, was etwa 450hm bedeutet. Der Weg ist gut markiert und ausgetreten, allerdings etwas rutschig vom Regen. Die beiden Brücken über den Bach sind seit einiger Zeit eingestürzt und rotten nun vor sich hin. Aber kein Problem, der Bach führt nicht viel Wasser. Nach gut 1.5h erreichen wir den Sattel und etwas weiter oben dann einen herrlichen Aussichtspunkt. Vor uns eröffnet sich der weite Talkessel auf der N-Seite von Moorea mit den beiden Buchten von Opunohu und Cook’s Bay. Dazwischen thront der Mont Rotui, der zweithöchste Berg der Insel. Klar, dass wir da dann auch noch hinauf wollen!

Wir steigen nochmals etwas weiter zu einem weiteren Aussichtspunkt, der jedoch nicht mehr viel hergibt. Also geht es danach wieder zurück hinab zum Strand an der SW-Seite. Wir gönnen uns eine delikate Stärkung bei der Roulotte Daddy’s Truck an der Strasse, die rings um die Insel führt. Es gibt Burgers, Glacé und Fondant au Chocolat…mmmh!

Bei strahlender Sonne machen wir uns mit dem Dinghy auf,um über das Schelf hinaus zum inneren Rand des Riffs zu gelangen. Wir vertäuen das Dinghy an einem abgestorbenen Korallenstock und schnorcheln dort im relativ flachen, herrlich klaren Wasser. Uns begegnet ein riesiger Garten von zahllosen Korallenstöcken, in dem man wohl beliebig oft auf Erkundungstour gehen könnte. Leider hat es nicht so viele Fische, wie wir andernorts auch schon gesehen haben. Doch insgesamt ein sehr schönes Erlebnis.

Unsere kanadischen Freunde von der Salish Dragon ankern auch in dieser Bucht, so treffen wir uns jeweils nach dem Abendessen zum Plaudern. Danach zelebrieren wir intensive Partien von Brändi Dog. Wir haben viel Spass, auch wenn der Spielausgang oft knapp und hart umkämpft ist. Und auch das Leiden der Schweizer Nati im Viertelfinal gegen Argentinien teilen wir zusammen, stilvoll begleitet mit Tomatenbrötchen, die mit einem Kreuz aus Emmentaler belegt sind.

Opunohu Bay

Nach drei Tagen denken wir, dass es an der Zeit ist, auch anderes dieser schönen Insel Moorea zu sehen. Zudem wollen unsere Freunde am Ende der Saison ihre Salish Dragon in der kleinen Marina von Opunohu zurücklassen, wenn sie nach Hause zurückkehren. So verlegen wir dorthin und können diese kurze Fahrt fast vollständig unter Segeln zurücklegen. Auf dem Weg dorthin begegnen wir gleich mehreren Super- resp. Mega-Yachten, wie wir sie auch schon in der Karibik angetroffen haben. So treffen wir auf die elegante SY Kokomo, auch ein Alu-Schiff, jedoch 58m lang mit einem knapp 74m hohen Mast … deren Rumpf ist fast so breit wie unser Schiff lang ist. Gut, sie kostete wohl auch etwas mehr, 35Mio USD und gehört einem Australischen Milliardär. Sie fiel mir bereits bei der Fahrt nach Norden auf, denn das AIS zeigte für sie rund 14kn Fahrt auf, während wir gerade mal halb so viel erreichten. Doch im Gegensatz zu ihr segelten wir den ganzen Weg bis zum Passe am Eingang der Opunohu Bay, führten also eine Halse durch. Darauf verzichtete jene Crew, vielleicht wollten sie nicht riskieren, dass die Champagnergläser vom Tisch rutschen…

Am Eingang der Bucht hinter dem Riff ankert eine gigantische Motoryacht, die ich vom Col aus noch als Passagierschiff hielt. Doch hier handelt es sich um die Octopus, die 126m lange Superyacht, die sich Microsoft-Gründer Paul Allan im Jahr 2003 bei Lürssen für geschätzte 300Mio USD bauen liess. Heute gehört sie einem Schwedischen Pharma-Milliardär. Deren Reichweite beträgt über 12’000NM, also eine halbe Erdumrundung und ihre Ausstattung übertrifft wohl jede Vorstellungskraft: Helis, U-Boote, 7 Beiboote (das längste 13m!), Schwimmbad, Kino, 63 Crew … you name it. Aber im Gegensatz zu diesen Prunk (resp. Protz-)stücken können wir mit der Shiva zuhinterst in die Bucht einlaufen und dort ruhig und gemütlich ankern.

Gleich für den nächsten Tag sieht es nach gutem Wetter aus, also nehmen wir den Mont Rotui in Angriff. Um nicht wieder entlang der Strasse so weit gehen zu müssen, fahren wir mit dem Dinghy bis zu einem Strand in der Nähe des Trailheads. Wir sind bereits vor Sunrise unterwegs und müssen relativ weit mit dem Dinghy fahren, fast 3NM. Wir finden den Weg sogleich, er ist auch gut beschrieben und mit Wegweisern von der Strasse weg gekennzeichnet. Steil steigt er durch einen Wald mit dichtem Unterholz an, bis wir den Grat erreichen. Auf einer ersten Anhöhe mit schönen Kiefern eröffnet sich ein erster Ausblick über die Lagune und das begrenzende Riff. Ab hier ist es dann nur noch Grat, allerdings mit dichtem Bewuchs. Die Farne und Büsche kratzen an den Beinen, es wird stellenweise richtig steil und aufgrund des Untergrunds auch recht rutschig. Doch man kann sich gut an der Vegetation festhalten, stellenweise hat es auch Fixseile. Der Weg windet sich oftmals von einer auf die andere Seite des Grates, was mit der Zeit richtig anstrengend wird. Man muss sich beim Gehen recht konzentrieren, wohin man den Fuss setzt, auch weil man den Boden durch den Bewuchs oft nicht sieht. Anstelle der erhofften 2.5h werden es dann eben doch fast 4h bis wir den Vorgipfel auf ca 850m erreichen. Hier sehen wir erstmals nun auch tief in die Bucht von Opunohu hinein, wo die Shiva geankert liegt. Eine graue Regenwolke zieht von Süden heran und es beginnt zu nieseln. So lassen wir das letzte Stück bis zum Gipfel weg und kehren nach ausgiebiger Rast um. Der Abstieg zieht sich dann auch in die Länge, denn oft muss mit grosser Vorsicht in kleinen Schritten abgestiegen werden, um nicht auszurutschen und im kratzigen Gestrüpp des steil auf beiden Seiten abfallenden Hangs zu landen. Die Gräser und Farne schneiden in die Hände, trotz Müdigkeit muss weiterhin volle Konzentration bewahrt werden. Zum Glück lassen wir die Regenwolken hinter uns, der Weg bleibt weitgehend trocken. Erst nach weiteren 3h erreichen wir wieder die Ringstrasse um Moorea. Durstig und hungrig steuern wir gleich den empfohlenen Imbissstand von Lilikoi an und verputzen ein leckeres Curry mit Reis, sowie anschliessend zum Dessert Glacé resp. Fondant au Chocolat.


Wir schliefen die Nacht sehr gut … und hatten am nächsten Tag nicht einmal Muskelkater. Gut so!

Moorea’s Lagune und Riff

Aus den Beschreibungen entnehmen wir, dass an der NW-Ecke von Moorea ein zum Schnorcheln wunderbares Revier liegen solle. Allerdings darf man dort nicht mehr ankern und für unser Dinghy ist dies definitiv viel zu weit weg, über 5NM. Ohnehin muckt unser Aussenborder immer mehr, er lässt sich nur mit Mühe starten und tropft auch etwas Benzin, der muss unbedingt einer eingehenden Prüfung unterzogen werden … Tracey und Steve lassen sich überreden, mit uns diesen Ausflug in ihrem grossen Dinghy (20PS!) zu unternehmen. So fahren wir mit Schnorchelausrüstung am nächsten Morgen los. Die Route führt durch diverse schmale Fahrstrassen im Riff, die jedoch mit Stangen gut gekennzeichnet ist. Allerdings nutzen auch die zahlreichen Ausflugsboote diese Wege und brettern ziemlich rücksichtslos in voller Fahrt und minimalem Abstand an uns vorbei.

Vor der Hauptinsel liegen in der Lagune nochmals drei kleine, bewaldete Inseln. Dazwischen liegt ein recht tiefer Kanal, durch den ein zügiger Gezeitenstrom fliesst. Wegen des regen Verkehrs trauen wir uns nicht, direkt im Kanal zu schnorcheln. Wir lassen uns mit der Strömung treiben und ziehen das Dinghy mit. Das Ergebnis ist etwas ernüchternd: kaum Korallen, eine einzelne wunderschöne Turtle und trübes, mit Sand versetztes Wasser, wohl wegen dieser starken Strömung. Ein weiterer Versuch im flachen, ruhigen Wasser zwischen zwei Inseln fällt wenig besser aus. Die Korallen dort sind überwiegend abgestorben … Also weiter zum nächsten Hotspot, der schon bei unserer ersten Durchfahrt am Morgen von zahlreichen Ausflugsbooten bevölkert war. Jetzt ist dort aber richtig Halli-Galli! Dutzende Boote liegen kreuz und quer im flachen Wasser, deren Gäste stehen im brusttiefen Wasser herum und wirbeln den Sand vom Grund auf. Was haben wir uns da bloss angetan … Wir drehen trotzdem eine Runde mit Schnorcheln und werden doch ansprechend belohnt. Diverse Stingrays tummeln sich hier, auch weil sie wohl von den Guides der Ausflugsboote gefüttert werden. Einzelne Exemplare scheinen diese allein schon an der Farbe ihrer T-Shirts zu erkennen und werfen sich denen regelrecht an die Brust. Wir halten etwas Abstand und können auch dort die elegante Fortbewegung der Rochen unter Wasser gut und ausgiebig beobachten. Dank des flachen Wassers und Sonnenscheins ist die Sicht immer noch ansprechend.

Der lange Rückweg im Dinghy muss erduldet werden, denn es herrscht ein wirklich reger Verkehr von Jetskiern, Motorbooten und Ausflugsbooten, die meist in vollem Tempo durch die Fahrstrasse brettern, sodass wir ihrem Schwell ausweichen müssen. Zurück an Bord brauchen wir erst eine heisse Suppe, wir sind alle ziemlich durchgefroren.

Wir verlegen später von der Tiefe der Opunohu Bay hinaus zu einem Ankerplatz nahe am Riff bei der Einfahrt zur Cook’s Bay. Ach, zu erwähnen ist da noch, dass die Namensgebung dieser beiden Buchten einem Irrtum des Kartographen zugrunde liegt. Die Endeavor von Captain Cook ankerte nämlich auch in der Opunohu Bay, doch beim Kartieren anhand der schriftlichen Aufzeichnungen verwechselte dieser die beiden Buchten. So blieb der Name Cooks Bay an jener hängen, die der legendäre Seefahrer wohl gar nicht besucht hatte.

Von diesem neuen Ankerplatz aus ist es zumindest nicht weit zum Land. Doch zuerst gilt es den Aussenborder zu revidieren. Ich zerlege und reinige den Vergaser einmal mehr und ersetze auch noch die Zündkerze. Ach, dort könnte eine der Ursachen der Probleme liegen, die alte sass nämlich nicht mehr richtig fest. Jedenfalls startete er danach gut und lief auch wieder etwas ruhiger ohne Benzin zu lecken. So geht das!

Mit dem Velo fahre ich zum am Ende der Bucht gelegenen Supermarkt und kann so einerseits etwas Abfall entsorgen und andererseits unsere Vorräte nochmals aufstocken (frische Baguettes!). Danach besuchen wir die Fruchtsaft-Fabrik Rotui, deren Produkte man in den Gestellen jedes Supermarktes in Polynesien begegnet. Sie pressen allerdings nicht nur Früchte, sie vergären und destillieren auch Zuckerrohr zu Rum. Ein kurzer öffentlicher Rundgang durch die eigentlich sehr kompakte Fabrikhalle ist bald abgehakt, danach lockt ein Fabrikladen mit Verkostungstheke. Wir bekommen diverse Varianten von Säften, aber auch des hauseigenen Rums zur Probe. So decken wir uns auch hier ausgiebig mit den Ingredienzen künftiger Sundowners ein. Lecker! Damit finden wir, dass wir wohl das Beste von Moorea gesehen haben, abgesehen davon dass uns dieser Teil der Insel etwas zu touristisch ist. Der Wind steht zudem gut aus SSE, sodass wir uns am Abend auf die etwas längere Passage nach Huahine aufmachen. Davon dann beim nächsten Mal.

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