Cook Islands – Rarotonga

Passage Maupiti – Rarotonga (535NM, 530S & 5M)

Wir hätten ja gerne noch länger auf Maupiti bleiben können, da hätte es sicher noch einiges zu erkunden gegeben. Doch kündete sich eine weitere Starkwindzone an, so dass wir das Fenster davor für die Passage zu den Cook Islands packen wollten. Die Prognose war zwar nicht allzu rosig mit recht viel angedrohter Zeit unter Maschine. Aber, das Wetter findet schlussendlich draussen statt. Wir fahren am Abend in den Sonnenuntergang hinein und treffen draussen vor dem Pass auf recht freundliche Verhältnisse mit knapp 15kn Wind aus E, der uns eine angenehme Fahrt Raumschot unter vollen Segeln gestattet. Wir kommen mit rund 6kn Fahrt gut voran, das Leben an Bord ist so selbst unter Fahrt richtig angenehm.

Am nächsten Tag versuche ich mich wieder einmal mit Fischen. Kurz nach Mittag beisst ein kapitaler Bursche an. Jedoch alle meine Versuche, den Fisch ans Schiff heranzuholen, scheitern. Er leistet gewaltig Widerstand, nach über einer Stunde gebe ich auf und lasse ihn am Haken hinterherschleppen. Ein weiterer Versuch scheitert erneut, der muss wirklich riesig sein! Nach einer weiteren Pause für mich, in der Hoffnung, dass der Fisch endlich ermüde und seinen Widerstand aufgebe, ist jedoch der Haken wieder leer. Irgendwie ist er doch wieder freigekommen und davon. He nun, wäre wohl ohnehin zu viel des Guten gewesen.

Unser erster Tag bringt ein ETMAL von 144NM. Gut so.

In der Nacht frischt der Wind auf und erreicht 20kn. Wir reffen ein erstes Mal, um für weiteres Auffrischen und Böen gewappnet zu sein. Und dies war ein guter Entscheid, denn im Verlauf der Nacht steigt die Windstärke auf deutlich über 20kn. Wir reffen ein zweites Mal, nun halt im Dunkeln, und rauschen trotzdem immer noch mit über 8kn durch die Wellen. Dies ist richtig ungemütlich, es lärmt und schüttelt im Schiff, da lässt sich kaum schlafen. Den ganzen Tag hindurch hält dieser starke Wind an, wir erreichen ein ETMAL von 190NM, was einem Schnitt von knapp 8kn entspricht. Zu viel.

Es nützt uns wenig, wenn wir deutlich schneller fahren, denn wir können erst bei Tageslicht am Montagmorgen in den Hafen von Rarotonga einfahren. Andererseits, wenn’s läuft, dann nimmt man’s eben auch ganz gerne mit. Nachdem wir auch die dritte Nacht ordentlich flott vorangekommen sind, bergen wir am nächsten Morgen das Grosssegel und setzen nur mit der gerefften Genua unsere Fahrt fort. Ziel ist nun, die Fahrt auf etwa 4kn abzubremsen, damit unsere Ankunft passt. Damit die Genua nicht bei Durchgang jeder Welle schlägt, baumen wir sie aus. Unser dritter Tag bringt ein ETMAL von 140NM, dies passt. Es bleiben noch 60NM durch die Nacht hindurch, also reduzieren wir die Fahrt weiter durch Verkleinern der Genua.

Bei Sonnenaufgang erkennen wir die Insel Rarotonga, den Hauptort der Cook Islands. Im Verlauf des Tages soll eine Front durchziehen und damit den Wind von E über N bis nach W drehen lassen. Allerdings gilt der Hafen von Avatiu als ungeeignet, wenn starker Wind aus N bläst. Hoffentlich kommen wir noch hinein, bevor dies losgeht… Ich melde mich am Funk bei Port Control um 07h an, doch abgesehen von einer freundlichen Begrüssung gibt’s keine Hilfe. Ich solle auf den Harbourmaster warten. So kurven wir unter Maschine vor der Hafeneinfahrt diverse Runden in hoher See. Eine weitere Yacht trifft ebenfalls ein und beginnt ebenfalls mit Warteschleifen. Endlich meldet sich um 0830h der Hafenmeister und bietet uns an, in den Hafen einzufahren und im Becken zu ankern. Dies nehmen wir dankend an und fahren ein. Gleich neben dem Patrouillenboot setzen wir den Anker in 8m Tiefe und fahren ihn gut ein. Der Katamaran kommt nach und ankert etwas unglücklich nahe neben uns. Wir sehen schnell, dass es keine Freude wäre, jetzt bereits an der Hafenmauer anzulegen. Die drei Yachten dort vollführen einen wilden Tanz in den Wellen, die werden so sicher auch nicht an Land können. Zumindest liegen wir im Hafenbecken im Wind und stampfen nur etwas in den Wellen. Der Hafenmeister fragt dann früh wieder an, ob es für uns passt, erst am Folgetag anlegen zu können. Kein Problem.  Zumindest sind wir fest und können uns von der Passage erholen.

Im Hafen liegt nebenan am Kai das Forschungsschiff der NOAA, die Okeanos Explorer. Wir beobachten wie zahlreiche Besucher an Bord gehen, offenbar haben sie dort gerade Führungen. Die Gäste winken uns zu, wir schaukeln müde im Hafen. Als der Wind auf W dreht wird die Situation mit unserem Nachbarn prekär und er hat endlich ein Einsehen. Vor dem Eindunkeln ankert er endlich um, sodass wir eine sorgenfreie Nacht bekommen.

Am nächsten Morgen ist es fast windstill und ruhig im Hafen. Nachdem ein grosses Fischerboot an einen anderen Platz verholt worden ist, dürfen wir nun auch anlegen, rückwärts mit Anker gegen die Hafenmauer. Das Manöver klappt gut, auch wenn bereits ein ziemliches Makramee an Leinen der benachbarten beiden Boote gegen das Ufer zu überwinden ist.  Wir fügen dem Gewirr nochmals 4 weitere Leinen hinzu, liegen so nun aber gut fest. Auch die beiden Kettenstücke aus Tahiti kommen zum Einsatz, um unsere Festmacher zu schonen.

Avatiu Port – Einklarieren und Okeanos Explorer

Kurz nach dem Anlegen geht der Zirkus mit dem Einklarieren los. Wir mussten ja bereits vor Losfahrt ein Formular mit allen Angaben elektronisch einreichen. Doch jeder Offizielle kommt dann doch auch noch mit seinem Papier und nimmt die immergleichen Angaben zum Schiff, Eigner und der Crew wieder handschriftlich auf. Und jeder Offizielle muss erst mit dem Dinghy unter dem Gewirr von Leinen hindurch am Ufer abgeholt und an Bord gebracht werden (und nachher auch wieder zurück). Sie sind jedoch in der Regel sehr freundlich und kooperativ (zumeist…). Da kommt also zuerst Health, sprayt etwas in den Salon und fragt, ob die Crew gesund sei (NZD 25). Dann Biosecurity, schaut sich etwas um und stört sich nicht gross an unserem Kühlschrank und Gefrierfachinhalt. Hingegen die letzte Kokosnuss nimmt er mit (NZD 57) … weil gefährlich? Dann kommt Customs, hier gleich zu zweit. Nach etwas Smalltalk schicken sie mich an Land zur Immigration und inspizieren mit Brigitt das Schiff. Immigration will pro Crew eine Passenger Card ausgefüllt haben, auch gut. Dann gibt’s einen Stempel in den Pass. Als ich zurückkehre, präsentiert mir der Zöllner unseren Wein und Schnaps. Kein Problem, dies bleibt alles an Bord, erkläre ich. Ship Stores. Brigitt packt alles wieder ein.

Am Nachmittag machen wir uns auf den Weg ins Städtchen. Ich frage bei der Okeanos Explorer an, ob wir vielleicht auch eine Führung bekommen dürften. Ja klar, meint der Kapitän Tony Perry persönlich. Wow! Als wir gerade dorthin aufbrechen wollen, kommen die Officers von Customs wieder zurück, diesmal zu Dritt. Sie verlangen ultimativ allen Alkohol bei uns an Bord zu beschlagnahmen, denn wir hätten ihn nicht deklariert. Nach einigem Hin und Her und vergeblichen Erklärungsversuchen gebe ich es auf, hole also unsere Wein- und Biervorräte von Bord und händige diese aus. Und jedes Mal wieder mit dem Dinghy unter dem Leinen-Makramee hindurch.

Der Besuch auf der Okeanos Explorer lässt mich den Ärger schnell vergessen. Der Kapitän nimmt sich richtig viel Zeit für uns. Er erklärt uns die High Tech Ausrüstung an Bord mit dem selbstständigen Tauchroboter D2, der bis 6000m Tiefe gehen kann. Mit einem Greifarm kann er Steine einsammeln aber auch Bodenproben mit einer Schaufel aufnehmen oder mit einem Schlauch einsaugen. Zudem verfügt er über eine fest mit dem Schiff über ein Seil verbundene Kamera- und Lichteinheit Seirios, die über dem Roboter D2 schwebt und so sein Gesichtsfeld vergrössert. Wir bekommen einen Blick in den Kommandoraum, aus dem die Roboter gesteuert werden, das Labor, die Unterkünfte und die Brücke. Besonders bei diesem Schiff ist der Antrieb, der über Elektromotoren auf die beiden Schrauben geht. Die Energie dazu kommt von vier (!) Generatoren, wobei auf Fahrt mindestens 3 in Betrieb sind und dabei ca. 5000lt/d Diesel verbrennen. Gebaut wurde sie als U-Boot Jäger, daher dieser lautlose Antrieb. Ihre Mission diente der Kartierung des Seegrunds rund um die Cook Islands. Daraus folgt nun ein erweiterter Anspruch des Inselstaates auf weitere 400’000km2 Meeresgrund als Teil des Schelfs einer ihrer Inseln. Daher rührt der Besuch vom Vortag, selbst der Ministerpräsident kam persönlich und hocherfreut vorbei. Wir bekommen sogar eine Erinnerungsmedaille überreicht. Es war schlicht eine grossartige Begegnung!

Cross Island Trail & The Needle

 Der nächste Tag kündigt sich mit Sonnenschein an, so machen wir uns auf den Weg, die Insel transversal zu überqueren. Der Weg führt uns direkt vom Hafen in ein Tal hinein, an dessen Ende sich die Wasserfassung für die Ortschaften an der Küste befindet. Wir begegnen einer Institution, die Jugendliche aus ganz Polynesien zusammenbringt und mit den Besonderheiten der Kultur vertraut macht. Doch auch aktuelle Fertigkeiten werden unterrichtet. Sie bekommen Tauchunterricht und erlernen Gartenbau. Der Weg führt schliesslich in den Regenwald und steigt kurz und heftig zur Krete hinauf. Durch die Bäume hindurch öffnet sich einmal der Blick auf einen imposanten Felszapfen, die Needle. Man gelangt über ein kurzes, mit Ketten und Seilen gesichertes Felsband bis zu einem Aussichtspunkt auf knapp halber Höhe. Dort überrascht uns ein farbenfroher Gockel, der es sich dort oben offenbar gemütlich gemacht hat und ohne Scheu um die zahlreichen Besucher herumstolziert.  Der Abstieg ist ebenfalls auf einem gut markierten Weg, der an den steilsten Stellen wieder mit Seilen gesichert ist. An einem schönen Pool nimmt der eine ein Bad, während die andere unfreiwillig baden geht. Unten angekommen erreichen wir die Küstenstrasse. Ein freundliches Paar im Mietwagen nimmt uns mit zur Muri Lagoon auf der SE-Seite der Insel. Dort befindet sich das Restaurant des Sailing Clubs, wo wir uns eine wohlverdiente Erfrischung gönnen. Zurück zum Hafen kommen wir mit einem der Busse, die Rarotonga im Stundentakt umkreisen. Clockwise und Counter-Clockwise heissen die beiden Linien, wie originell!

Am Abend verwöhnen wir uns gleich nochmals mit einem feinen Abendessen im Café Ariki. Wir erhielten die Empfehlung von einer Angestellten beim Hafenmeister, und dies war ein echter Volltreffer. Die Cocktails waren üppig und das Essen ebenso, und insbesondere sehr lecker!  Die Insel dient als Ferienparadies für Neuseeland und Australien, speziell in deren Winter. So ist hier Alkohol auch sehr günstig, oft gerade Mal ein Drittel von den Preisen in Französisch-Polynesien. Wozu hätten wir also Veranlassung gehabt, Alkohol einzuschmuggeln?

Vaianas – Fire Dance

Aufgrund der Windprognose liess sich erkennen, dass wir am Freitag gleich wieder weiter unsere Fahrt nach Westen fortsetzen sollten. Mit Unterstützung des Hafenmeisters und den Mechanikern der Okeanos Explorer schaffe ich es endlich, das Ventil an der zweiten Tauchflasche auch noch auszutauschen. Zudem muss der Sitz unserer Toilette repariert werden, denn die Scharniere waren gebrochen. Gut haben wir die Ersatzteile an Bord.

Wir decken uns im Supermarkt nochmals mit einigen Vorräten ein, allerdings mit Zurückhaltung. Schliesslich stehen nochmals Staaten an, bei denen die Biosecurity droht, erneut frisches Gemüse, Früchte und Fleisch zu konfiszieren.

Am Abend besuchen wir die Strandbar Vaianas neben dem Flughafen. Dort erleben wir einen wunderbaren Sonnenuntergang, geniessen Drinks und Fingerfood, und nach Sonnenuntergang eine herrliche Feuerhow. Meist jugendliche Tänzer führen eine akrobatische Tanzshow mit Fackeln am Strand vor. Sie wirbeln die Fackeln gekonnt im Kreis herum und werfen sie sich gegenseitig zu. Das Ganze wird begleitet von einer kleinen Perkussionskombo (Pauke, Bongos und zwei Küchenschalen!). Wir werden bestens unterhalten und sitzen mit unseren Strandstühlen in der ersten Reihe!

Am nächsten Morgen mache ich mich mit gemischten Gefühlen auf zum Ausklarieren bei Customs und Immigration. Ich habe meinem Unmut über die Behandlung durch den Zoll in einer Mail an die Vorgesetzten bereits im Voraus mitgeteilt. Nach langer Warterei werde ich dann zu einer Aussprache mit dem Vorgesetzten und dem unflätigen Officer geladen. Nach sicher einer Stunde Debatte heisst es schliesslich, dass ich auf der  Immigration Card den Alkohol hätte deklarieren müssen … nur woher sollte ich dies bitte  wissen? Wir sind schon in knapp 50 Länder mit der Shiva eingereist, aber noch nie hätte diese Deklaration an solcher Stelle erfolgen müssen. Nach kurzer Rücksprache kommen sie überein, dass uns der Alkohol wieder ausgehändigt werde. Wir schütteln uns die Hand, erklären, dass die ganze Aufregung und der Ärger eigentlich völlig überflüssig gewesen seien und es nie zu einer solchen Situation hätte kommen dürfen. Würde der Zoll seine Fragen zu Alkohol, Tabak und Bargeld auch im Advanced Notification Form platzieren, wäre dies zum Vornherein klar. Und meine Lehre ist, dass ich nie wieder das Schiff verlassen werde, solange ein Offizieller sich noch darauf aufhält. Ende gut, alles gut? Wir warten dann nochmals eine Stunde, bis die drei Officers mit den vier Kartons am Pier erscheinen. Man schüttelt sich die Hand, sie klopfen mir auf die Schulter (wobei bei der ersten Begegnung solche Berührungen noch strikt tabu waren!) und wünschen gute Reise und ein Wiedersehen. Ich kann gut darauf verzichten.

Wir legen ohne Probleme aus dem Hafen ab und fahren unter Maschine vor die Küste. Von Besuchern im Vaianas hatten wir erfahren, dass sie am Vortag Wale ganz in der Nähe gesichtet hatten. Also wollen wir dies auch versuchen. Und tatsächlich, zwischen der Shiva und dem Strand hören wir plötzlich einen Blas und erkennen im Wasser den typischen Rücken eines, dann eines zweiten Wals auftauchen. Sie zeigen sich nochmals kurz, um dann abzutauchen. Einer präsentiert uns seine Schwanzflosse wie gemacht fürs Fotoalbum, wenn wir denn aus dem Staunen gekommen wären und rechtzeitig das Handy eingestellt hätten. Magisch war es allemal, diese beiden prächtigen Buckelwale zu sichten. Wir warten noch fast eine Stunde in der Gegend und erkennen sie ein weiteres Mal beim Auftauchen. Statt Diskussionen mit dem Zoll wären wir eigentlich lieber hier gewesen … doch nun drängt die Zeit für unsere Losfahrt, wollen wir doch bis Montag früh, also in 3.5 Tagen, das gut 500NM entfernte Beveridge Reef erreichen.

Also, los geht’s!

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